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Warum schweigen unsere Eliten?

Berechtigte Fragen zur „Würde der Intelligenz“

(www.conservo.wordpress.com)

von altmod

Wir erleben derzeit einen in der Geschichte der Bundesrepublik nie gekannten Angriff auf Freiheits- und Grundrechte, eine Infragestellung rechtsstaatlicher Prinzipien und von freiheitlichen demokratischen Regeln, wie man sich dies schlechterdings bisher nicht phantasieren wollte.

Der Mord an dem ehemaligen Kassler Regierungspräsidenten Lübcke mit einem mutmaßlichen rechtsradikalen Hintergrund, hat bei Politikern und Journalisten – den sog. öffentlichen Personen – offensichtlich alle Sicherungen durchbrennen lassen.

Doch nein, die Situation war schon gegeben!
Sie war virulent vorhanden, diese antidemokratische Krankheit, welche die Eliten der Deutschen, den Staat und die Gesellschaft stets aufs neue infizieren und für den die „Eliten“ selbst mitverantwortlich sind. Ein Antiliberalismus und Antidemokratismus, der sich heute unter dem Pseudonym „Linksliberalismus“ versteckt und verbunden ist mit einem nicht nur geistigen Totalitarismus: Die Ächtung des Zweifels und der „Anzweifler“. Im Namen dieses „Liberalismus“. Alles was nicht der offiziellen und der offiziösen Meinung und Betrachtung folgt, wird wieder einmal unter Verdikt genommen.

„Eine liberale Demokratie müsste auch Demokratiekritik, Staatskritik, Engagementverweigerung aushalten. Was sie hingegen nicht tolerieren darf, sind antidemokratische Umsturzversuche und Straftaten jeder Art,“ meint Alexander Kissler. Was für jeden eindeutig und klar scheint.

Der Mord an Lübcke war aber anscheinend die herbeigesehnte Katastase, um den aus „1000-jähriger“ Zeit bekannten „Furor teutonicus“ und Ungeist in angeblich moralischer Konstituierung wieder aufleben zu lassen.

Es waren damals die Sozialisten, Kommunisten und glaubensfeste Christen, welche als (ideologische) Gegner herhalten mussten, und das Judentum als rassistisch-ideologisch aufgebauter Popanz, an dem man seine Mord- und Ausrottungslust ausließ.
Heute heißt es in demokratischer Elitisierung „Kampf gegen rechts“. Gegen den angeblich wieder aufgelebten und umstürzlerisch organisierten Ungeist des Nationalsozialismus.

Das von den angeblich demokratisch gewordenen intellektuellen und politischen Eliten beschworene „Nie wieder!“ hat sich gleichwohl in einen neuen Ungeist verwandelt.

Alles und Jeder, die nicht dem verordneten Kanon der Mainstream- und Regierungsmeinung folgen, werden damit gleichgerichtet einer Kondemnation unterworfen:

Der Warner vor einer Kulturzerstörung durch kulturfremde Zuwanderer;
der „Klimaskeptiker“, welcher der religiösen Überhöhung der „Klimakatastrophe“ nicht folgen will;
der angebliche „Hassredner“, der den Verlautbarungen der „Qualitätsmedien“ nicht mehr glaubt;
der Muttersprachler, der vor einem ideologisch verfremdenden Sprachgebrauch warnt;
der „Euroskeptiker“, der die ausufernde Bürokratie und zunehmenden Eingriffe in das Wirtschaftsleben und das gewohnte Zusammenleben durch demokratisch nicht legitimierte Zirkel und Institutionen kritisiert;
der patriotische und heimatverbundene Staatsbürger, der das „Eigene“ beschwört und bewahren möchte; usw.
All diese Personen mit ihren Auffassungen und Gedanken werden jetzt gleichsam in die Nazi-Ecke geschoben. Und dazu die ausgehärteste Perfidität, oppositionelle Politiker und deren Partei pauschal als Mitverantwortliche am Mord eines ehemaligen Spitzenbeamten und Repräsentanten der gegebenen Ordnung zu verleumden.

Wann hat es das in dieser Ausprägung schon mal gegeben?

Das dem vormaligen italienischen Sozialisten Ignazio Silone zugeschrieben Zitat «Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: ‹Ich bin der Faschismus›. Nein, er wird sagen: ‹Ich bin der Antifaschismus›.» hat sich bewahrheitet.

Dieser Satz von Silone ist angeblich nicht verbürgt, verbürgt aber sind seine Sätze über „Die Würde der Intelligenz“, die er 1947 in seiner Ansprache zur Eröffnung des 19. Kongresses des PEN-Clubs in Basel äußerte.

„Die Literaten teilen die Tugenden und Fehler ihrer Völker und ihrer sozialen Umgebung. Und oft ist es für einen Schriftsteller schwerer, gegen den Strom zu schwimmen, als für jeden andern; es mag ihm schwerer fallen, die Unpopularität zu riskieren als den Tod.

Umso bewundernswerter sind die Ausnahmen, die Kulturmenschen, die der Wahrheit und Gerechtigkeit Treue halten, sich nicht um den materiellen Schaden kümmern und sich, wenn nötig, gegen ihr eigenes Land, ihre eigene Klasse, ihre eigene Partei wenden. Aber es zeigt sich, daß sie Ausnahmen und nicht nur oder in besonderem Maße bei den Gebildeten zu finden sind.

Im allgemeinen kann man daher sagen, daß es ungerechtfertigt ist, von einer angeblich musterhaften Haltung der Intellektuellen in den letzten Jahrzehnten zu sprechen und für sie irgendeine, besondere Rolle als Lenker der öffentlichen Meinung angesichts der heutigen Krise in Anspruch zu nehmen. Es ist ohnehin heikel und zweideutig, von der “moralischen Elite“ irgendeines Landes zu sprechen, aber in keinem Fall kann man sagen, daß sie mit der intellektuellen Elite zusammenfällt. Das soll nicht eine sinnlose Rangordnung der Werte festlegen – im Gegenteil, es ließe sich hieran eine Betrachtung über die Würde der Intelligenz und die Unwürde der Intellektuellen knüpfen.“

Damit bin ich im Zentrum meines Themas: die Verantwortung der geistigen – intellektuellen – Eliten einer Demokratie. In einer Situation, in der die Demokratie und freiheitlich-rechtliche Ordnung nicht von unten, wie behauptet wird, von vielleicht 20000 Nazis ausgehebelt wird, sondern von oben.

Wo sind sie, die Kulturmenschen, die der Wahrheit und Gerechtigkeit die Treue halten und ihre Stimme erheben?

Silone hat Recht: Es ist „heikel und zweideutig, von der “moralischen Elite“ irgendeines Landes zu sprechen“ und dass sie keinesfalls „mit der intellektuellen Elite zusammenfällt“.

Schriftsteller
Als die Bundesrepublik den Kampf gegen den Linksterrorismus der RAF zu bestehen hatte, traten sich als moralische Instanz fühlende und auch dahin stilisierte Schriftsteller auf, wie Heinrich Böll. Der schrieb einen Roman über – oder gegen – den Kampf der Medien und des Staates gegen diese damalige linke Opposition, die nach amtlichen Verlautbarungen 33 Todesopfer zu zeitigen hatte.

Es ist heute nicht mehr vorstellbar, dass ein Schriftsteller, Intellektueller im Sinne von Silone, aufstehen würde, um gegen das von der Politik und des willfährigen Medienkartells jetzt erzeigte Meinungsklima im angeblich freiesten und demokratischsten Deutschland der Geschichte anzuschreiben.

Sag mir, wo die Schriftsteller sind, die den neuen Faschismus, der als Antifaschismus daherkommt, aufarbeiten?

Politikwissenschaftler
Wo sind die Stimmen dieser prominenten Politologen, die sich so gerne in den Medien vorführen lassen? Dass die einmal zurechtrücken, was da ein Minister Seehofer oder ein aus der Versenkung geholter CDU-Parteiarbeiter über die Einschränkung der Freiheitsrechte von unliebsamen Akteuren auf der politischen Bühne fordern. Für jede angeblich vorhersehbare Entwicklung haben sie ihre Meinungen und Theorien. Ein Gespür für den sich abzeichnenden Weg in totalitäre Verhältnisse unter den Prämissen der Bundesrepublik anno 2019 haben sie wohl nicht – oder sie haben ihre Gesinnung an der Pensionskasse des Staates abgelegt.

Z.B. ein Herfried Münkler, der so oft gefragt wie ungefragt sein Wissen und Erkenntnisse in die Welt hinausposaunt. Ein „Berater der Kanzlerin“. Nun ja, man kennt ihn als „Machiavellist“, und so darf man die Frage nach seiner „Würde der Intelligenz“ wohl doch stellen.

Rechtsgelehrte
Wo sind die Stimmen der Staatsrechtler, welche die fortschreitende Aushöhlung und Aussetzung rechtsstaatlicher Grundsätze durch die Regierenden und die einhergehende Justifikation durch die Medien endlich anprangern?

Es gibt nur wenige Ausnahmen wie z.B. jüngst Rupert Scholz.
Nichts zu hören von Verfassungsrechtlern, welche das Absonderliche der Absichten von Tauber, Seehofer, AKK und anderen hinsichtlich der Einschränkung von Meinungs- und Handlungsfreiheit im demokratischen Kontext zurechtweisen.

Journalisten
Wo sind die Stimmen von verantwortungsbewussten Journalisten – ob sie nun sogar rot oder grün sein mögen in ihrer Gesinnung – die sich jedoch so gerne gegen die drohenden Einschränkungen von demokratischen und freiheitlichen Rechten aussprechen? Die heute inzwischen für jedmögliche Opposition gelten.

Dass das angebliche „Sturmgeschütz der Demokratie“ sich in einem ideologischen Lügen- und Verfälschungsgeschäft verfangen hat, ist eine der Tatsachen nicht erst seit 2019.

Der angeblich freiheitlich orientierte deutsche Journalismus hat einen geschichtlichen Tiefpunkt erreicht.

Was ist 2019 noch davon zu halten, wenn ein Professor einer universitären Journalistenschule erklärt:

„Dass sich Journalismus immer als Hüter der Demokratie und der grundlegenden Werte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität begreifen muss". Richtig ist sein Zitat aus der Washington Post: „Democracy dies in darkness“. Und so meint er: „Licht in die gesellschaftlichen Verhältnisse zu bringen, hinter die oftmals einseitigen Narrationen und Stereotypen der Politik zu blicken, das ist die Kernaufgabe des Journalismus und daran muss sich journalistische Qualität messen lassen. Journalismus ist das immerwährende Projekt der Aufklärung und lebenswichtig für das Funktionieren einer erfolgreichen Demokratie.“

Hehre und große Worte – die aber keine Folgen mehr zeitigen.

Wo sind die Stimmen der angeblich liberalen und so freiheitlich orientierten Journalisten – vulgo „Intellektuellen“ – wie Giovanni di Lorenzo (Die Zeit), Matthias Döpfner (Springer), von Ulf Poschardt (Die Welt) usw., in diesen Tagen des Frontalangriffs auf die zweite deutsche Demokratie geblieben?

Meine Meinung zu Journalisten muss ich nicht weiter ausbreiten.
Ich entschuldige mich aber für meinen Defätismus über den Berufsstand bei den Wenigen, die noch ehrlich sind und die freiheitliche Fahne hochhalten.

Vielleicht ist es aber auch eine Überhebung des Standes der Journalisten, diese als Elite zu bezeichnen – ist offensichtlich nicht angemessen. Denn „Der Journalismus dient nur scheinbar dem Tage. In Wahrheit zerstört er die geistige Empfänglichkeit der Nachwelt.“, wie Karl Kraus schrieb.

Was ich beklage, ist, dass es besonders unter allen sog. Intellektuellen kaum mehr Menschen gibt, “die den Mut haben, Unterwerfung zu verweigern“ (Bertrand Russell) und dagegen ihre Stimme erheben.

Gerd Klaus Kaltenbrunner meinte in seinem großartigen Essay zum Thema: „Elite – Erziehung für den Ernstfall“: „Ohne Elite geht es nicht!“ Und dazu der Untertitel: „Eine Kampfansage an die Übermacht der Unfähigen.“

Es sind inzwischen anscheinend nur noch diese Unfähigen, welche Elite sein wollen – und sind? – und inzwischen die Übermacht haben.

Ein populärer Buchtitel spricht vom „Schweigen der Lämmer“.
Es sind ausgewachsene Hammel, die entweder schweigen oder ein unerfreuliches Blöken von sich geben.

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