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„Alles ziemlich irre“

Alltag in einem der wahrscheinlich besten Gesundheitssysteme der Welt (2)

Von Vera Lengsfeld

Nachdem wir im letzten Beitrag lesen konnten, dass ein Leser mit akuten Atembeschwerden nicht ins Krankenhaus aufgenommen wird, weil er kein Corona-Patient ist, werfen wir nun eien Blick hinter die kulissen eines Krankenhauses unweit von Berlin. Die Notaufnahme ist für Corona-Patienten geräumt, aber nur einer liegt drin. Gibt es in dieser Gegend keien Patienten mit akuten Atembeschwerden? Oder werden hier Anordnungen von oben sklavisch befolgt “what ever it takes”?

Liebe Frau Lengsfeld,

Im Krankenhaus herrscht eine Geisteratmosphäre. Alle Eingänge sind verrammelt. Es ist relativ leer, das Personal reduziert und mit Vorbereitungen auf den großen Ansturm beschäftigt. Die Cafeteria geschlossen, der Blumenladen auch. Ein einziger infizierter Patient befindet sich auf einer großen Quarantänestation – wie in einem Science-Fiction-Film. Im Fernsehen laufen Bilder aus Italien, wie Kolonnen von Militär-LKW Leichen aus den Städten schaffen, weil die Bestattungen nicht mehr nachkommen. Nicht mal die Angehörigen dürfen dabei sein, wenn die Seuchenopfer verbuddelt werden. Steht uns das jetzt bevor?

Hier herrscht noch eine seltsam gespannte Ruhe. Ich werde morgen einen Rasenmäher holen, bevor der Baumarkt auch noch schließt. Ab Montag wird es meines Erachtens eine Ausgangssperre geben. Wer weiß, wann es dann wieder Rasenmäher gibt? Und in persönlicher Quarantäne könnte ich ja wenigstens das Nötigste zur Pflege unseres Gartens tun.

Alles ziemlich irre. Grenzen geschlossen, Regale leer – ich hoffe nur, es dauert nicht wieder 28 Jahre! Schlimmer als im Osten damals prügelt man sich heute schon um Toilettenpapier! Ich kann mich nicht erinnern, daß es jemals im Osten knapp gewesen ist. Es gab zwar nur eine Sorte, etwas rauh, vielleicht zu hart für den verweichlichten Wessi-Arsch, aber damals schon umweltgerecht, weil aus Recycling-Masse hergestellt.

Jemand witzelte, der Mangel an Klopapier werde womöglich einen unerwarteten Anstieg der seit langem sinkenden Tageszeitungs-Abonnements bewirken, wobei die Journalisten natürlich glauben werden, es ginge um ihr Geschreibsel – in ihrer Selbstvergottung…

Zum geistigen Selbsterhalt arbeite ich weiter an meiner Novelle. Über ein Kloster an der Neiße. Hänge jetzt allerdings an einer Stelle fest, wo die Nonnen mir ihr Bier verkaufen wollen. Nein, nicht das Wasser des ewigen Lebens oder vielleicht doch … jedenfalls Klosterbräu hell, seit 1357. Mehr dazu später in der Novelle.

Beste Grüße
(vera-lengsfeld.de)

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