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Gegenkandidat bittet Bürgermeister um Vertrauen

Kuriose Wahlwerbung eines CDU-Vorsitzenden in Spaichingen

(gh). Er ist CDU-Stadtrat, er ist CDU-Stadtverbandsvorsitzender, er ist CDU-Kreisvorsitzender. Nun will der 33-jährige Spaichinger Jurist Tobias Schumacher in seiner Heimatstadt auch Bürgermeister werden. Im Weg steht allerdings der amtierende Bürgermeister, der 49-jährige Hans Georg Schuhmacher, ebenfalls von der CDU. Der schickt sich an, nach acht Jahren am 11. März 2012 wieder zu kandidieren. Dagegen hat Tobias Schumacher eine ganze Menge, wie er am 2. November in einem nicht unterzeichneten Schreiben den rund 300 Spaichinger CDU-Mitgliedern mitteilte. In einem zweiten Schreiben vom 29.November, diesmal unterschrieben, läßt er jetzt die Katze aus dem Sack und gibt seine Kandidatur bekannt. Dabei schreibt er auch wieder den Bürgermeister persönlich an und bittet ihm um Vertrauen, wobei er ihm gleichzeitig kurioserweise anbietet, sich "für Ihre Belange" einzusetzen.
War der erste Brief nur mit CDU-Vorstand und CDU-Stadtratsfraktion (was Gemeinderatsfraktion heißen müßte) unterschrieben, heißt es nun "Mit freundlichen Grüßen, Tobias Schumacher". Daß eine Peinlichkeit, nämlich der erste Brief, noch durch eine zweite zu steigern ist, zeigt nun der aktuelle Brief. "Sehr geehrter Herr Bürgermeister Schuhmacher, am 11. März 2012 wird in unserer Stadt ein neuer Bürgermeister gewählt..." wird da dem Amtsinhaber mitgeteilt. Wer auch immer für solche Briefpossen verantwortlich ist, an der Spitze dieser Peinlichkeit steht auf jeden Fall der Gegenkandidat schon über drei Monate vor einer Wahl, welche bisher noch gar nicht ausgeschrieben worden ist.
Ursprünglich sollte die auf Wunsch des Bürgermeisters schon im Januar, vor der im Ort intensiv betriebenen Fasnet stattfinden. Dagen hatte aber die schwarz-grüne Gemeinderatsmehrheit etwas. Auf die Frage, ob jemand vom Gemeinderat vorhabe, zu kandidieren, meldete sich niemand. Im November kündigte dann der CDU-Boß an, demnächst einen Kandidaten vorzustellen. Dies hat er nun mit sich selbst getan. In der zuständigen Monopol-Lokalpresse überschlug sich dann die Redakteurin mit wohlwollend gemeinden Attributen für den Kandidaten, die nicht nur den Betroffenen überrascht haben dürften, nicht zuletzt der entgleisten Sprachbilder wegen.(Siehe unten).
Kommentar:
Kennt sich in Minenfeldern aus
Von Regina Braungart
Bürgermeister Schuhmacher hat schon vor Jahren geunkt, Tobias Schumacher könne gegen ihn antreten. Keiner hat das für möglich gehalten, weil man in der Spaichinger Konstellation unglaublichen Mut haben muss, gegen den amtierenden Bürgermeister, und das noch in der Heimatstadt, anzutreten.Aber es ist konsequent. Tobias Schumacher ist in seinem Wesen ausgleichend, uneitel und auch nicht autoritär strukturiert. Man wundert sich immer, wenn man die Liste seiner Führungspositionen sieht, weil er so gar nicht den Platzhirsch mimt.In der Sache kann er überraschend hart sein, im Umgang verbindlich und als – gut vernetzter – Vorsitzender auch in Minenfeldern moderierend. Ein bisschen so wie Angela Merkel Spaichingens.
(Schwäbische Zeitung. Um so etwas zu schreiben, gehört noch mehr Mut: ein Platzhirsch, der auf Minenfeldern als Angela Merkel von Spaichingen moderiert! Eine Waffenexpertin der Lokalredaktion müßte eigentlich wissen, daß sich auf Minenfeldern nur auskennt, wer die Minen selbst gelegt hat.)

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