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Lohrer Nashörnli

Zur Kommunalwahl ein politisches Sinnbild vor dem Rathaus

(gh) - Was ist das: Es ist klein und blau,  hat ein Horn und steht vor dem Lahrer Rathaus? Die Lösung ist einfach:  ein kleines blaues Nashörnli. Mag ja sein, dass Kunst von Können kommt und sich ein Könner was dabei gedacht hat, als er das kleine blaue Nashorn auf den Rasen vor die Villa des OB stellte. Denn jedem Betrachter, falls er nicht wegen des Lahrer oder des karibischen Klimas die Schule schwänzte,  wird sofort das Stück "Die Nashörner" von
Eugène Ionesco einfallen.

Und umgekehrt: Wer Lahrs Verwandlung in ein linksgrünes Provinznest mit Sozi-Regierung  erlebt, muss sofort an "Die Nashörner" denken.  Und da steht es nun und braucht nicht einmal Worte. Inhaltlich beschreibt Ionesco in einer fiktiven Gesellschaft eine fortschreitende Verwandlung der Personen in Nashörner, wobei dieser Prozess jedoch nur von einigen wenigen wahrgenommen wird, und die letztlich – bis auf den Protagonisten – alle erfasst. Weder Warnungen noch deskriptive Hinweise der Hauptfiguren des Stückes können an diesem Vorgang etwas ändern; im Gegenteil – sie verschlimmern die Situation dieser Figuren noch mehr, da ihnen nicht geglaubt wird.  Wer Lahr nicht wiedererkennt, dem ist nicht zu helfen, wobei entlastend die Plakate jener Fraktionen gelten sollen,  welche gerade dabei sind, ihr langjähriges schweigendes Sitzen in Gemeinderat oder Kreistag mit Phrasen und noch schlechteren Bildern zu legitimieren.

Was wollen die Nashörner sagen, welche Botschaft hat  das Lohrer Nashörnli  vor dem Rathaus?  Wie in der Kunst üblich, bleibt die Interpretation dem Betrachter überlassen.  Vielsagend deshalb schon die Skulptur nicht weit vom blauen Hörnle, ein "Denkender Kopf",  dem das Gehirn fehlt. Halten wir uns also an Spekulationen fest:  Die wahrscheinlichste Interpretationsmöglichkeit ist die der Kritik an sämtlichen totalitären Regimen  und am Verhalten des Volkes, das widerstandslos folgt, als einheitliche Masse aus Angst vor dem Regime. Ionesco kritisiert beispielsweise das Verhalten der Franzosen zu Beginn der deutschen Besatzung. Außerdem zeigt er, wie sich alle totalitären Regime vermischen, um die Orientierung der Menschen anzugreifen und Intellektuelle  sowie Bürgerliche in Herdentiere wie Nashörner zu verwandeln, was diese rein biologisch gar nicht sind. Aber es geht ja um Nashörner und Menschen und nicht um Zoologie.

Der Protogonist Behringer, dessen Veränderung der Zuschauer während des gesamten Stückes verfolgt, ist am Ende der Einzige, der der Krankheit, der "Rhinocérite", widersteht. Seine Reaktion bleibt die einzige normale: "Ein Mensch, der sich in ein Nashorn verwandelt, das ist unbestritten nicht normal".  Er könnte beispielsweise die Résistance repräsentieren, die sich Stück für Stück während des Zweiten Weltkriegs bildete. Ein anderer Bezugspunkt zur Interpretation des Stückes ergibt sich aus der Situation Ionescos, der, aus Rumänien geflohen, dessen quasi totalitäres Regime verabscheut und auf die Entstehung dieses Regimes verweist.

Was dies alles mit Lahr zu tun hat? Gute Frage! Darüber darf jeder nun nachdenken, wer das kleine blaue Nashörnli vor dem Rathaus sieht. Vielleicht ist es ja auch schon weg. Oder drin.  Wer kennt sich  mit Nashörnern aus, abgesehen von Guido Messer, dessen Skulpturen Lahrer Plätze und  die Städtische Galerie schmücken.

 

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