Springe zum Inhalt

Literaturschnipsel

Sei tolerant!

Wenn du einen Hund hättest und ihn dir anhänglich machen wolltest und dächtest nun: von meinen hundert vortrefflichen Eigenschaften wird dem Köter doch wohl eine einleuchten und das muß genug sein, um ihn mir auf immer mit Leib und Seel ergeben zu machen, wenn du das dächtest, so wärst du ein Narr. Streichle ihn, gib ihm zu fressen, und sei im Übrigen wie du willst, das geniert nicht, er wird dir treu und ergeben. Nun merke dir's:  mit den Menschen ist's eben so, grad eben. Und nimm nicht gar dich selbst aus: untersuche deine Liebe, deine Freundschaft, sieh zu, ob deine objektiven Urteile nicht großenteils verkappte subjektive sind; sieh zu, ob du die Vorzüge eines Menschen, der dich nicht liebt, gehörig anerkennst. Und dann sei tolerant, es ist verfluchte Schuldigkeit.
(Arthur Schopenhauer)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.