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Nabu-Wohnungsbau Natur.
Handball
Deutschland blamiert sich zum Auftakt der EM
Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat den Start der Handball-EM in Serbien total verpatzt: Im ersten Spiel unterlag sie Außenseiter Tschechien.Die deutschen Handballer müssen nach einem Fehlstart bei der Europameisterschaft in Serbien um den Einzug in die Hauptrunde und die Olympia-Qualifikation bangen. Die Mannschaft von Bundestrainer Martin Heuberger unterlag in Nis nach einer über weite Strecken desolaten Leistung überraschend mit 24:27 (9:14) gegen Tschechien und steht damit vor den Begegnungen gegen Außenseiter Mazedonien am Dienstag und Rekord-Europameister Schweden am Donnerstag gewaltig unter Druck.
(WELT online. Mit Trainern aus der Ortenau sah das Team meist mies aus.)
Gemeinschaftsschule in Schwanau vor dem Start
Individuelle Förderung und hohe Durchlässigkeit stehen im Mittelpunkt
Der Startschuss für die neue Schulart Gemeinschaftsschule fällt im nächsten Schuljahr, und die Bärbl-von-Ottenheim-Schule in Schwanau wird voraussichtlich als Starterschule dabei sein. „Das ist ein großer Erfolg Wir lösen hier ein zentrales Versprechen unserer Bildungspolitik ein, für das sich die Grünen seit vielen Jahren stark gemacht haben. Davon profitieren die Kinder in unserem Land.“ so Sandra Boser, bildungspolitische Sprecherin der Fraktion Grüne im Landtag.
(Offenburger Tageblatt. Die Dame Boser hat vom Thema keine Ahnung, wurde zur bildungspolitischen Sprecherin, weil in Sachen Bildung bei den Grünen offenbar großer Mangel herrscht - siehe auch Landwirtschaftsminister Bonde ohne Studienabschluß und ohne Berufsausbildung. Ist ihr und anderen die Verfassung desLandes Baden-Württemberg nicht bekannt? Eine Gemeinschaftsschule gibt es bereits längst. Aber anders, als viele denken und damit sogar grundgesetzwidrig, da der Staat gegenüber Religionen sich neutral verhalten muß. In Artikel 15, 1, heißt es immer noch seit 1951: "Die öffentlichen Volksschulen (Grund- und Hauptschulen) haben die Schulform der christlichen Gemeinschaftsschule nach den Grundsätzen und Bestimmungen, die am 9. Dezember 1951 in Baden für die Simultanschule mit christlichem Charakter gegolten haben".   Seit der grün-roten Regierungh kann sich jeder vorstellen, was für ein Bildungsabstieg dem Land schwanauen muß. Man höre sich nur mal die Auftritte von Boser im Landtag an. Grauenvoll. Wie hat die eigentlich ihren Job als Diplom-Betriebswirtin bei der SV Sparkassenversicherung bekommen? Ohne Leistungsvorweis, indem sie erst von anderen lernt? Sagt der mal jemand, wie Wirtschaft funktiponiert? Nämlich nicht so, daß jemand per Zufall in den Landtag kommt und dann dort macht, was er offenbar am wenigsten kann: bildungspolitischer Sprecher.)
Stadt Lahr konzentriert sich bis 2018 voll auf die Landesgartenschau
Dies bedeute einen Meilenstein in der Stadtentwicklung, sagte Oberbürgermeister Wolfgang Müller beim gestrigen Neujahrsempfang. Großprojekte wie eine neue Stadthalle müssten deshalb weiter warten. In diesem Jahr soll vor allem der Kauf des Flughafen-Geländes unter Dach und Fach gebracht werden. Ferner begrüßt die Stadt den Bau eines neuen Kinos am Urteilsplatz. Eine Absage erteilte Müller der B415-Ortsumfahrung von Kuhbach und Reichenbach. Das Projekt „Schutterparallele“ sei "tot" und vermutlich nicht mehr realisierbar. Stattdessen werde sich die Stadt in Zukunft über alternative Verkehrsmittel, wie möglicherweise sogar eine Tramlinie Gedanken machen müssen.
(BADEN online. Schön, wenn man kein Geld hat und sich trotzdem Nutzloses leisten kann. Warum nicht vom Lahrer Baggersee bis Schweighausen mit Pendelbooten auf dem Canal Schutter? Übrigens: Landesgartenschauen sind zu teuer, Investitionen zu schlecht geplant und die Mittelverwendung zu wenig kontrolliert.  Wie wäre es sonst möglich gewesen, der  parkreichen Stadt Lahr Millionen zu geben für ein Baggerloch, zwei neue Parks und eine überflüssige Brücke auf einem Wiesen- und Ackergelände?)
Neue Formen für das Miteinander erarbeiten
Neujahrsempfang der Stadt Lahr am Samstagabend
(DER GULLER. Einer fährt, die anderen rudern.)
Muttach fordert den konstruktiven Dialog
Neujahrsempfang in Achern am Freitagabend
(DER GULLER.  Wofür wird er bezahlt?)
Mit leisen Tönen im Dienst der Kirche
Kind des Konzils und Musikliebhaber: Gerhard Vetter
(DER GULLER. Papa ante Portas?)
Neue Figurentrends
Infowochen oim Schlankeitszentrum Slimcure in Offenburg -Kostenblose Infos
(DER GULLER. Schlankeitswahn? Schamlose Reklame. Steht der Guller außerhalb des Pressegesetzes?)
Gott zu Ehr
Vorstellung des Ausrückbereichs 4 der Freiwilligen Feuerwehr Kehl
(DER GULLER. Verrückt.)
Wir werden alle verwandelt
...Dekan Matthias Bürkle, Erzb. Dekanat,Offenburg-Kinzigtal
(DER GULLER. Fasent?)
Kein Eishockeyturnier, dafür Eisstockschießen
...Spaß ohne Ende gibt es auf der Eisbahn in Mietersheim.Heute ist Eisdisco.
(DER GULLER. Spaßig: Es gibt nur eine Kunststoffbahn.)
Wandern in Lahr und dem Schuttertal
Lahr mit dem Storchenturm als Wahrzeichen ist ein Schwerpunkt der neuen Wanderkarte „Schuttertal (Lahr - Ettenheim)“, die das Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Schwarzwaldverein jetzt herausgibt.
(Stadt Lahr. Wohin soll der Storchenturm wandern? Er tät's, wenn er nur könnte, und so zerreißt es ihn halt mit städtischer Hilfe.)
Offenburger Stadtgeflüster
Wulff ist überall: Nicht nur bei der großen »Bild« lassen wutschnaubende Politiker Dampf ab. Auch die kleine OT-Lokalredaktion wurde schon mit handfesten Drohungen lokaler Politgrößen konfrontiert, wenn unangenehme Berichterstattung drohte...Zur Ehrenrettung unserer regionalen Politiker sei allerdings gesagt, dass bei solchen Anrufen keine günstige Privatdarlehen vertuscht werden sollen, sondern es wirklich nur um Sachthemen geht...Geschätzte sieben bis neun Millionen Zuschauer werden morgen Abend den Fernseher einschalten, wenn Arthur Abraham in Offenburg gegen das Fallobst Pablo Farias boxt...Und nächste Woche steht schon wieder ein Mega-TV-Event an, ­ an dem Offenburg indirekt beteiligt ist! Auch wenn noch die vom Sender Pro 7 verordnete höchste Geheimhaltungsstufe herrscht: Die Anzeichen verdichten sich, dass ein Goldkehlchen aus Offenburg am nächsten Donnerstag bei der Eurovisions-Castingshow »Unser Star für Baku« mit dabei ist. Wir drücken schon jetzt alle verfügbaren Daumen!
(Offenburger Tageblatt. Ist ein Darlehen des Bundespräsidenten kein Sachthema, sondern nur die Schere im Kopf? Die Mega-Provinzzeitung schätzt das Unterschichten-Interesse an einem Boxkampf in oG sehr hoch ein.)
Mit Kunst zurück ins Leben
13 Langzeitarbeitslose nahmen an Offenburger Kunstprojekt teil / Am Dienstag startet die Ausstellung
(Offenburger Tageblatt.Kein Wunder, daß die Zahl der Künstler und Galerien mit den Arbeitslosenzahlen wachsen.)
Sorge um die Stadtansichten
Edgar Baur befürchtet, dass Hochwasserschutz und geplante Baumfällaktion Wolfach schlecht bekommt
Ums Wolfacher Stadtbild macht sich Edgar Baur sorgen. Zwei aktuell anstehende Maßnahmen sorgten dafür, dass sich dieses sich negativ verändern könnte, befürchtet er.
(Offenburger Tageblatt. Die Biker wird's eher freuen.)
Große Unterstützung für Burkina
Verein »Wir für Burkina« hat viel bewegt / 130 Kinzigtäler Paten ermöglichen Schulbesuch in Burkina Faso
(Offenburger Tageblatt. Diese Betroffenheitsgutmenschen schaden nur.)
30-Meter-Baum weckt die Narrenlust
Baumgilde stellte am Samstag den mit den Insignien aller Hausacher Narren geschmückten Baum auf
(Offenburger Tageblatt. Ein bißchen sperrig. Die Traditionen wachsen schneller als die Bäume.)
Großes Plus beim Tourismus
Stadt Hausach verzeichnete 2011 13,9 Prozent mehr Gäste und fast 30 Prozent mehr Übernachtungen
...In reinen Zahlen bedeutet das im vergangenen Jahr 5454 Gästeankünfte im Vergleich zu 4227 im Jahr 2010 und 18 200 Übernachtungen im Vergleich zu 15 983 im Vorjahr.
(Offenburger Tageblatt. Ganz schön mutig, solche Erbsen auszupupen. Wer verirrt sich schon nach Hausach?)
Kehler Stadtgeflüster
Das Gehirn eines Deutschen ist anders aufgebaut als das der übrigen Menschheit. Der Stirnlappen plant, der Seitenlappen vernetzt. Wir Deutschen haben noch zusätzlich den Jammerlappen Diese süffisante Diagnose des Kabarettisten Eckart von Hirschhausen hat OB Günther Petry in seiner Neujahrsansprache aufgegriffen.
(Kehler Zeitung. Jetzt wissen wir wie ein Kehler Gehirn tickt.)
Für einen Glauben ohne Grenzen
Kirche von hüben und drüben engagiert sich gemeinsam / Jugendwallfahrt nach Goldscheuer geplant
(Kehler Zeitung. Goldig. Die Grenzen gibt's nur im Kopf.)
Kuriose Fundstücke: Gebisse und Hörgeräte
(Kehlrer Zeitung. Da sind einfach nur Wunder passiert.)
Ein Floß bauen und Sprachen lernen
Programm der VHS-Außenstelle Willstätt fürs Frühjahr mit Vorträgen über Geschichte und Werk-Kursen
(Kehler Zeitung. Dialog mit den Fischen.)
Ortenauer Narrenbund mit Vorreiterrolle
Präventionsprojekt »Närrische Festkultur« / »Regionalfürst« präsentiert
(Acher-Rench-Zeitung. Wann gibt's Fasnacht für die Pferde?)
Bundespräsident
Wulff ließ sich auf Oktoberfest einladen
Ehepaar Wulff: 2008 von einem Film-Finanzier zum Münchner
In der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff tauchen immer neue belastende Details auf: Nach SPIEGEL-Informationen ließ er sich in seiner Zeit als Niedersachsens Ministerpräsident auf das Oktoberfest einladen - von einem Filmproduzenten, der offenbar auch ein Buch über Wulff sponserte.
(SPIEGEL de. Hat Wulff mal irgendwo etwas selbst bezahlt? Ist er der Schnorrer-Präsident?)
Ökostrom
Solarsubventionen übersteigen 100-Milliarden-Euro-Schwelle
2011 gingen in Deutschland Photovoltaik-Anlagen mit einer theoretischen Gesamtleistung von 7500 Megawatt ans Netz, so viel wie nie zuvor. Nun explodieren nach SPIEGEL-Informationen die Subventionskosten, die Zeche dürfte der Verbraucher zahlen. Das sorgt in der CDU für Zoff.
(SPIEGEL de. Wahnsinn mit Methode. Ökonomie außerKrafdt gesetzt.)

VIER PFOTEN gegen Jagd während der Paarungszeit

(lifepr) - Im Januar und Februar haben Füchse noch mehr als sonst unter Nachstellungen zu leiden. Ausgerechnet zur Fortpflanzungszeit werden sie im Rahmen sogenannter "Fuchswochen" vielerorts besonders intensiv bejagt. Darum fordert die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN, gemeinsam mit 70 weiteren Organisationen und Initiativen aus dem Natur- und Tierschutzbereich, jetzt eine umfassende bundesweite Schonzeit für Füchse. Etwa 600.000 Füchse werden in Deutschland jedes Jahr erlegt.
Der Rotfuchs ist eine der wenigen einheimischen Wildtierarten, die in den meisten Bundesländern ganzjährig bejagt werden. Dabei kommen auch besonders umstrittene Jagdarten wie die Bau- oder die Fallenjagd zum Einsatz. Da Fuchspelze kaum noch gefragt sind, werden die meisten erlegten Füchse kurzerhand in der Tierkörperbeseitigung entsorgt.
"Wenn Jäger behaupte, Füchse müssen zur Bestandsreduktion gejagt werden, ist das Jägerlatein", sagt Kampagnenleiterin Dr. Martina Stephany von VIER PFOTEN. Die Geburtenrate bei Füchsen passe sich mit geringer zeitlicher Verzögerung der Sterberate an - in Gebieten, in denen Füchsen intensiv nachgestellt wird, kämen weitaus mehr Welpen zur Welt als in fuchsjagdfreien Gegenden. Verluste würden somit rasch ausgeglichen; die Jagd habe keine nachhaltige Auswirkung auf den Fuchsbestand. Das Saarland sei dieser Argumentation im letzten Jahr bereits mit dem Beschluss einer sechsmonatigen Jagdruhe gefolgt.
Fuchsjagd verursache kaum vorstellbares Tierleid. Ein großer Teil der von Jägern beschossenen Füchse werde nur angeschossen und sterbe dann qualvoll an den von Kugel oder Schrot zugefügten Verletzungen. Bei der Baujagd sollten Füchse mit scharfen Hunden vor die Flinten wartender Jäger getrieben werden, doch es komme oft zu schweren Kämpfen zwischen Hund und Fuchs, mit Verletzungen auf beiden Seiten.
Und Studien zeigten, dass beim Fang von Füchsen in angeblich "sofort tötenden" Schlagfallen viele Tiere an Pfote oder Brustkorb schwer verletzt würden und dann stundenlang blutend darauf warten müssten, bis der Jäger sie schließlich mit Pistole oder Knüppel erlöse.

                                                       Das kalte Herz
                                          Ein Märchen von Wilhelm Hauff
Wer durch Schwaben reist, der sollte nie vergessen, auch ein wenig in den Schwarzwald hineinzuschauen; nicht der Bäume wegen, obgleich man nicht überall solch unermeßliche Menge herrlich aufgeschossener Tannen findet, sondern wegen der Leute, die sich von den andern Menschen ringsumher merkwürdig unterscheiden. Sie sind größer als gewöhnliche Menschen, breitschultrig, von starken Gliedern, und es ist als ob der stärkende Duft, der morgens durch die Tannen strömt, ihnen von Jugend auf einen freieren Atem, ein klareres Auge und einen festeren, wenn auch rauheren Mut, als den Bewohnern der Stromtäler und Ebenen gegeben hätte. Und nicht nur durch Haltung und Wuchs, auch durch ihre Sitten und Trachten sondern sie sich von den Leuten, die außerhalb des Waldes wohnen, streng ab. Am schönsten kleiden sich die Bewohner des badenschen Schwarzwaldes; die Männer lassen den Bart wachsen, wie er von Natur dem Mann ums Kinn gegeben ist, ihre schwarzen Wämser, ihre ungeheuren, enggefalteten Pluderhosen, ihre roten Strümpfe und die spitzen Hüte, von einer weiten Scheibe umgeben, verleihen ihnen etwas Fremdartiges, aber etwas Ernstes, Ehrwürdiges. [216] Dort beschäftigen sich die Leute gewöhnlich mit Glasmachen; auch verfertigen sie Uhren und tragen sie in der halben Welt umher.
Auf der andern Seite des Waldes wohnt ein Teil desselben Stammes, aber ihre Arbeiten haben ihnen andere Sitten und Gewohnheiten gegeben, als den Glasmachern. Sie handeln mit ihrem Wald; sie fällen und behauen ihre Tannen, flößen sie durch die Nagold in den Neckar, und von dem obern Neckar den Rhein hinab, bis weit hinein nach Holland, und am Meer kennt man die Schwarzwälder und ihre langen Flöße; sie halten an jeder Stadt, die am Strom liegt, an, und erwarten stolz, ob man ihnen Balken und Bretter abkaufen werde; ihre stärksten und längsten Balken aber verhandeln sie um schweres Geld an die Mynheers, welche Schiffe daraus bauen. Diese Menschen nun sind an ein rauhes, wanderndes Leben gewöhnt. Ihre Freude ist, auf ihrem Holz die Ströme hinabzufahren, ihr Leid, am Ufer wieder heraufzuwandeln. Darum ist auch ihr Prachtanzug so verschieden von dem der Glasmänner im andern Teil des Schwarzwaldes. Sie tragen Wämser von dunkler Leinwand, einen handbreiten grünen Hosenträger über die breite Brust, Beinkleider von schwarzem Leder, aus deren Tasche ein Zollstab von Messing wie ein Ehrenzeichen hervorschaut; ihr Stolz und ihre Freude aber sind ihre Stiefeln, die größten wahrscheinlich, welche auf irgendeinem Teil der Erde Mode sind; denn sie können zwei Spannen weit über das Knie hinaufgezogen werden, und die »Flözer« können damit in drei Schuh tiefem Wasser umherwandeln, ohne sich die Füße naß zu machen.
Noch vor kurzer Zeit glaubten die Bewohner dieses Waldes an Waldgeister, und erst in neuerer Zeit hat man ihnen diesen törichten Aberglauben benehmen können. Sonderbar ist es aber, daß auch die Waldgeister, die der Sage nach im Schwarzwalde hausen, in diese verschiedenen Trachten sich geteilt haben. So hat man versichert, daß das »Glasmännlein«, ein gutes Geistchen von 3 1/2 Fuß Höhe, sich nie anders zeige, als in einem spitzen Hütlein mit großem Rand, mit Wams und Pluderhöschen und roten Stümpfchen. Der »Holländer-Michel« aber, der auf der andern Seite des Waldes umgeht, soll ein riesengroßer, breitschultriger Kerl in der Kleidung der Flözer sein, und mehrere, die ihn gesehen haben, wollen versichern, daß sie die Kälber nicht aus ihrem Beutel bezahlen möchten, deren Felle man zu seinen Stiefeln brauchen würde. »So groß, daß ein gewöhnlicher Mann bis an den Hals hineinstehen könnte«, sagten sie, und wollten nichts übertrieben haben.
Mit diesen Waldgeistern soll einmal ein junger Schwarzwälder eine sonderbare Geschichte gehabt haben, die ich erzählen will: Es lebte nämlich im Schwarzwald eine Witwe, Frau Barbara Munkin; ihr Gatte war Kohlenbrenner gewesen, und nach seinem Tod hielt sie ihren 16jährigen Knaben nach und nach zu demselben Geschäft an.
Der junge Peter Munk, ein schlauer Bursche, ließ es sich gefallen, weil er es bei seinem Vater auch nicht anders gesehen hatte, die ganze Woche über am rauchenden Meiler zu sitzen, oder schwarz und berußt und den Leuten ein Abscheu hinab in die Städte zu fahren und seine Kohlen zu verkaufen. Aber ein Köhler hat viel Zeit zum Nachdenken über sich und andere, und wenn Peter Munk an seinem Meiler saß, stimmten die dunkeln Bäume umher und die tiefe Waldesstille sein Herz zu Tränen und unbewußter Sehnsucht. Es betrübte ihn etwas, es ärgerte ihn etwas, er wußte nicht recht was. Endlich merkte er sich ab was ihn ärgerte, und das war – sein Stand. »Ein schwarzer, einsamer Kohlenbrenner!« sagte er sich, »es ist ein elend Leben. Wie angesehen sind die Glasmänner, die Uhrenmacher, selbst die Musikanten am Sonntag abends! Und wenn Peter Munk, rein gewaschen und geputzt, in des Vaters Ehrenwams mit silbernen Knöpfen und mit nagelneuen roten Strümpfen erscheint, und wenn dann einer hinter mir her geht und denkt, wer ist wohl der schlanke Bursche? und lobt bei sich die Strümpfe und meinen stattlichen Gang – sieh, wenn er vorübergeht und schaut sich um, sagt er gewiß; ›Ach es ist nur der Köhler-Munk-Peter.‹«

Auch die Flözer auf der andern Seite waren ein Gegenstand seines Neides. Wenn diese Waldriesen herüberkamen, mit stattlichen Kleidern, und an Knöpfen, Schnallen und Ketten einen halben Zentner Silber auf dem Leib trugen, wenn sie mit ausgespreizten Beinen und vornehmen Gesichtern dem Tanz zuschauten, holländisch fluchten und wie die vornehmsten Mynheers aus ellenlangen kölnischen Pfeifen rauchten, da stellte er sich als das vollendetste Bild eines glücklichen Menschen solch einen Flözer vor. Und wenn diese Glücklichen dann erst in die Taschen fuhren, ganze Hände voll großer Taler herauslangten und um Sechsbätzner würfelten, fünf Gulden hin, zehen her, so wollten ihm die Sinne vergehen, und er schlich trübselig nach seiner Hütte; denn an manchem Feiertagabend hatte er einen oder den andern dieser »Holzherren« mehr verspielen sehen, als der arme Vater Munk in einem Jahr verdiente. Es waren vorzüglich drei dieser Männer, von welchen er nicht wußte, welchen er am meisten bewundern sollte. Der eine war ein dicker, großer Mann, mit rotem Gesicht, und galt für den reichsten Mann in der Runde. Man hieß ihn den dicken Ezechiel. Er reiste alle Jahre zweimal mit Bauholz nach Amsterdam, und hatte das Glück es immer um so viel teurer als andere zu verkaufen, daß er, wenn die übrigen zu Fuß heimgingen, stattlich herauffahren konnte. Der andere war der längste und magerste Mensch im ganzen Wald, man nannte ihn den langen Schlurker, und diesen beneidete Munk wegen seiner ausnehmenden Kühnheit; er widersprach den angesehensten Leuten, brauchte, wenn man noch so gedrängt im Wirtshaus saß, mehr Platz als vier der Dicksten, denn er stützte entweder beide Ellbogen auf den Tisch oder zog eines seiner langen Beine zu sich auf die Bank, und doch wagte ihm keiner zu widersprechen, denn er hat unmenschlich viel Geld. Der dritte aber war ein schöner, junger Mann, der am besten tanzte weit und breit, und daher den Namen Tanzbodenkönig hatte. Er war ein armer Mensch gewesen, und hatte bei einem Holzherren als Knecht gedient; da wurde er auf einmal steinreich; die einen sagten er habe unter einer alten Tanne einen Topf voll Geld gefunden, die andern behaupteten, er habe unweit Bingen im Rhein mit der Stechstange, womit die Flözer zuweilen nach den Fischen stechen, einen Pack mit Goldstücken heraufgefischt, und der Pack gehöre zu dem großen Nibelungenhort, der dort vergraben liegt, kurz, er war auf einmal reich geworden, und wurde von jung und alt angesehen wie ein Prinz.
An diese drei Männer dachte Kohlen-Munk-Peter oft, wenn er einsam im Tannenwald saß. Zwar hatten alle drei einen Hauptfehler, der sie bei den Leuten verhaßt machte, es war dies ihr unmenschlicher Geiz, ihre Gefühllosigkeit gegen Schuldner und Arme, denn die Schwarzwälder sind ein gutmütiges Völklein; aber man weiß wie es mit solchen Dingen geht; waren sie auch wegen ihres Geizes verhaßt, so standen sie doch wegen ihres Geldes in Ansehen; denn wer konnte Taler wegwerfen, wie sie, als ob man das Geld von den Tannen schüttelte?
»So geht es nicht mehr weiter«, sagte Peter eines Tages schmerzlich betrübt zu sich, denn tags zuvor war Feiertag gewesen, und alles Volk in der Schenke; »wenn ich nicht bald auf den grünen Zweig komme, so tu ich mir etwas zuleid; wär ich doch nur so angesehen und reich, wie der dicke Ezechiel, oder so kühn und so gewaltig wie der lange Schlurker, oder so berühmt, und könnte den Musikanten Taler statt Kreuzer zuwerfen, wie der Tanzbodenkönig! Wo nur der Bursche das Geld her hat?« Allerlei Mittel ging er durch, wie man sich Geld erwerben könne, aber keines wollte ihm gefallen; endlich fielen ihm auch die Sagen von Leuten bei, die vor alten Zeiten durch den »Holländer-Michel« und durch das »Glasmännlein« reich geworden waren. Solang sein Vater noch lebte, kamen oft andere arme Leute zum Besuch, und da wurde lang und breit von reichen Menschen gesprochen, und wie sie reich geworden; da spielte nun oft das Glasmännlein eine Rolle; ja, wenn er recht nachsann, konnte er sich beinahe noch des Versleins erinnern, das man am Tannenbühl in der Mitte des Waldes sprechen mußte, wenn es erscheinen sollte. Es fing an:
»Schatzhauser im grünen Tannenwald,
Bist schon viel' hundert Jahre alt,
Dir gehört all' Land wo Tannen stehn –«

Aber er mochte sein Gedächtnis anstrengen wie er wollte, weiter konnte er sich keines Verses mehr entsinnen. Er dachte oft, ob er nicht diesen oder jenen alten Mann fragen sollte, wie das Sprüchlein heiße; aber immer hielt ihn eine gewisse Scheu seine Gedanken zu verraten ab, auch schloß er, es müsse die Sage vom Glasmännlein nicht sehr bekannt sein und den Spruch müssen nur wenige wissen, denn es gab nicht viele reiche Leute im Wald, und – warum hatten denn nicht sein Vater und die andern armen Leute ihr Glück versucht? Er brachte endlich einmal seine Mutter auf das Männlein zu sprechen, und diese erzählte ihm was er schon wußte, kannte auch nur noch die erste Zeile von dem Spruch, und sagte ihm endlich, nur Leuten, die an einem Sonntag zwischen eilf und zwei Uhr geboren seien, zeige sich das Geistchen. Er selbst würde wohl dazu passen, wenn er nur das Sprüchlein wüßte, denn er sei Sonntag mittags zwölf Uhr geboren.

Als dies der Kohlen-Munk-Peter hörte, war er vor Freude und vor Begierde, dies Abenteuer zu unternehmen, beinahe außer sich. Es schien ihm hinlänglich, einen Teil des Sprüchleins zu wissen und am Sonntag geboren zu sein, und Glasmännlein mußte sich ihm zeigen. Als er daher eines Tages seine Kohlen verkauft hatte, zündete er keinen neuen Meiler an, sondern zog seines Vaters Staatswams und neue rote Strümpfe an, setzte den Sonntagshut auf, faßte seinen fünf Fuß hohen Schwarzdornstock in die Hand und nahm von der Mutter Abschied: »Ich muß aufs Amt in die Stadt, denn wir werden bald spielen müssen wer Soldat wird, und da will ich dem Amtmann nur noch einmal einschärfen, daß Ihr Witwe seid, und ich Euer einziger Sohn.« Die Mutter lobte seinen Entschluß, er aber machte sich auf nach dem Tannenbühl. Der Tannenbühl liegt auf der höchsten Höhe des Schwarzwaldes, und auf zwei Stunden im Umkreis stand damals kein Dorf, ja nicht einmal eine Hütte, denn die abergläubischen Leute meinten es sei dort »unsicher«. Man schlug auch, so hoch und prachtvoll dort die Tannen standen, ungern Holz in jenem Revier, denn oft waren den Holzhauern, wenn sie dort arbeiteten, die Äxte vom Stiel gesprungen und in den Fuß gefahren, oder die Bäume waren schnell umgestürzt und hatten die Männer mit umgerissen und beschädigt oder gar getötet; auch hätte man die schönsten Bäume von dorther nur zu Brennholz brauchen können, denn die Floßherren nahmen nie einen Stamm aus dem Tannenbühl unter ein Floß auf, weil die Sage ging, daß Mann und Holz verunglücke, wenn ein Tannenbühler mit im Wasser sei. Daher kam es, daß im Tannenbühl die Bäume so dicht und so hoch standen, daß es am hellen Tag beinahe Nacht war, und Peter Munk wurde es ganz schaurig dort zumut; denn er hörte keine Stimme, keinen Tritt als den seinigen, keine Axt; selbst die Vögel schienen diese dichte Tannennacht zu vermeiden.
Kohlen-Munk-Peter hatte jetzt den höchsten Punkt des Tannenbühls erreicht, und stand vor einer Tanne von ungeheurem Umfang, um die ein holländischer Schiffsherr an Ort und Stelle viele hundert Gulden gegeben hätte. Hier, dachte er, wird wohl der Schatzhauser wohnen, zog seinen großen Sonntagshut, machte vor dem Baum eine tiefe Verbeugung, räusperte sich und sprach mit zitternder Stimme: »Wünsche glückseligen Abend, Herr Glasmann.« Aber es erfolgte keine Antwort, und alles umher war so still wie zuvor. Vielleicht muß ich doch das Verslein sprechen, dachte er weiter und murmelte:
»Schatzhauser im grünen Tannenwald,
Bist schon viel' hundert Jahre alt
Dir gehört all' Land wo Tannen stehn –«
Indem er diese Worte sprach, sah er zu seinem großen Schrecken eine ganz kleine, sonderbare Gestalt hinter der dicken Tanne hervorschauen; es war ihm, als habe er das Glasmännlein gesehen, wie man ihn beschrieben, das schwarze Wämschen, die roten Stümpfchen, das Hütchen, alles war so, selbst das blasse, aber feine und kluge Gesichtchen, wovon man erzählte, glaubte er gesehen zu haben. Aber, ach, so schnell es hervorgeschaut hatte, das Glasmännlein, so schnell war es auch wieder verschwunden! »Herr Glasmann«, rief nach einigem Zögern Peter Munk, »seid so gütig und haltet mich nicht für Narren. – Herr Glasmann, wenn Ihr meint, ich habe Euch nicht gesehen, so täuschet Ihr Euch sehr, ich sah Euch wohl hinter dem Baum hervorgucken.« – Immer keine Antwort, nur zuweilen glaubte er ein leises, heiseres Kichern hinter dem Baum zu vernehmen. Endlich überwand seine Ungeduld die Furcht, die ihn bis jetzt noch abgehalten hatte: »Warte du kleiner Bursche«, rief er, »dich will ich bald haben«, sprang mit einem Satz hinter die Tanne, aber da war kein Schatzhauser im grünen Tannenwald, und nur ein kleines zierliches Eichhörnchen jagte an dem Baum hinauf.
Peter Munk schüttelte den Kopf; er sah ein, daß er die Beschwörung bis auf einen gewissen Grad gebracht habe, und daß ihm vielleicht nur noch ein Reim zu dem Sprüchlein fehle, so könne er das Glasmännlein hervorlocken; aber er sann hin, er sann her, und fand nichts. Das Eichhörnchen zeigte sich an den untersten Ästen der Tanne und schien ihn aufzumuntern oder zu verspotten. Es putzte sich, es rollte den schönen Schweif, es schaute ihn mit klugen Augen an, aber endlich fürchtete er sich doch beinahe mit diesem Tier allein zu sein, denn bald schien das Eichhörnchen einen Menschenkopf zu haben und einen dreispitzigen Hut zu tragen, bald war es ganz wie ein anderes Eichhörnchen, und hatte nur an den Hinterfüßen rote Strümpfe und schwarze Schuhe. Kurz es war ein lustiges Tier, aber dennoch graute Kohlen-Peter, denn er meinte es gehe nicht mit rechten Dingen zu.
Mit schnelleren Schritten, als er gekommen war, zog Peter wieder ab. Das Dunkel des Tannenwaldes schien immer schwärzer zu werden, die Bäume standen immer dichter, und ihm fing an so zu grauen, daß er im Trab davonjagte und erst als er in der Ferne Hunde bellen hörte und bald darauf zwischen den Bäumen den Rauch einer Hütte erblickte, wurde er wieder ruhiger. Aber als er näher kam und die Tracht der Leute in der Hütte erblickte, fand er, daß er aus Angst gerade die entgegengesetzte Richtung genommen, und statt zu den Glasleuten zu den Flözern gekommen sei. Die Leute, die in der Hütte wohnten, waren Holzfäller; ein alter Mann, sein Sohn, der Hauswirt, und einige erwachsene Enkel. Sie nahmen Kohlen-Munk-Peter, der um ein Nachtlager bat, gut auf, ohne nach seinem Namen und Wohnort zu fragen, gaben ihm Apfelwein zu trinken, und abends wurde ein großer Auerhahn, die beste Schwarzwaldspeise, aufgesetzt.

Nach dem Nachtessen setzten sich die Hausfrau und ihre Töchter mit ihren Kunkeln um den großen Lichtspan, den die Jungen mit dem feinsten Tannenharz unterhielten, der Großvater, der Gast und der Hauswirt rauchten und schauten den Weibern zu, die Bursche aber waren beschäftigt, Löffel und Gabeln aus Holz zu schnitzeln. Draußen im Wald heulte der Sturm und raste in den Tannen, man hörte da und dort sehr heftige Schläge, und es schien oft, als ob ganze Bäume abgeknickt würden und zusammenkrachten. Die furchtlosen Jungen wollten hinaus in den Wald laufen, und dieses furchtbar-schöne Schauspiel mit ansehen, ihr Großvater aber hielt sie mit strengem Wort und Blick zurück. »Ich will keinem raten, daß er jetzt von der Tür geht«, rief er ihnen zu; »bei Gott, der kommt nimmermehr wieder; denn der Holländer-Michel haut sich heute nacht ein neues ›G'stair‹ (Floßgelenke) im Wald.«
Die Kleinen staunten ihn an; sie mochten von dem Holländer-Michel schon gehört haben, aber sie baten jetzt den Ehni einmal recht schön, von jenem zu erzählen. Auch Peter Munk, der vom Holländer-Michel auf der andern Seite des Waldes nur undeutlich hatte sprechen gehört, stimmte mit ein und fragte den Alten, wer und wo er sei. »Er ist der Herr dieses Waldes, und nach dem zu schließen, daß Ihr in Eurem Alter dies noch nicht erfahren, müßt Ihr drüben über dem Tannenbühl oder wohl gar noch weiter zu Hause sein. Vom Holländer-Michel will ich Euch aber erzählen was ich weiß, und wie die Sage von ihm geht. Vor etwa hundert Jahren, so erzählte es wenigstens mein Ehni, war weit und breit kein ehrlicher Volk auf Erden, als die Schwarzwälder. Jetzt, seit so viel Geld im Land ist, sind die Menschen unredlich und schlecht. Die jungen Burschen tanzen und johlen am Sonntag und fluchen, daß es ein Schrecken ist; damals war es aber anders, und wenn er jetzt zum Fenster dort hereinschaute, so sag ich's, und hab es oft gesagt, der Holländer-Michel ist schuld an all dieser Verderbnis. Es lebte also vor hundert Jahr und drüber ein reicher Holzherr, der viel Gesind hatte; er handelte bis weit in den Rhein hinab, und sein Geschäft war gesegnet, denn er war ein frommer Mann. Kommt eines Abends ein Mann an seine Türe, dergleichen er noch nie gesehen. Seine Kleidung war wie der Schwarzwälder Bursche, aber er war einen guten Kopf höher als alle, und man hatte noch nie geglaubt, daß es einen solchen Riesen geben könne. Dieser bittet um Arbeit bei dem Holzherrn, und der Holzherr, der ihm ansah, daß er stark und zu großen Lasten tüchtig sei, rechnet mit ihm seinen Lohn, und sie schlagen ein. Der Michel war ein Arbeiter, wie selbiger Holzherr noch keinen gehabt. Beim Baumschlagen galt er für drei, und wenn sechs am einen End schleppten, trug er allein das andere. Als er aber ein halb Jahr Holz geschlagen, trat er eines Tags vor seinen Herrn, und begehrte von ihm: ›Hab jetzt lange genug hier Holz gehackt, und so möcht ich auch sehen, wohin meine Stämme kommen, und wie wär es, wenn Ihr mich auch mal auf den Floß ließet?‹
Der Holzherr antwortete: ›Ich will dir nicht im Weg sein, Michel, wenn du ein wenig hinaus willst in die Welt, und zwar beim Holzfällen brauche ich starke Leute wie du bist, auf dem Floß aber kommt es auf Geschicklichkeit an, aber es sei für diesmal.‹
Und so war es; der Floß, mit dem er abgehen sollte, hatte 8 Glaich (Glieder), und waren im letzten von den größten Zimmerbalken. Aber was geschah? Am Abend zuvor bringt der lange Michel noch acht Balken ans Wasser, so dick und lang, als man keinen je sah, und jeden trug er so leicht auf der Schulter, wie eine Flözerstange, so daß sich alles entsetzte. Wo er sie gehauen, weiß bis heute noch niemand. Dem Holzherrn lachte das Herz, als er dies sah, denn er berechnete, was diese Balken kosten könnten; Michel aber sagte: ›So, die sind für mich zum Fahren, auf den kleinen Spänen dort kann ich nicht fortkommen‹; sein Herr wollte ihm zum Dank ein Paar Flözerstiefeln schenken, aber er warf sie auf die Seite, und brachte ein Paar hervor, wie es sonst noch keine gab; mein Großvater hat versichert, sie haben hundert Pfund gewogen und seien 5 Fuß lang gewesen.

Der Floß fuhr ab, und hatte der Michel früher die Holzhauer in Verwunderung gesetzt, so staunten jetzt die Flözer; denn statt daß der Floß, wie man wegen der ungeheuren Balken geglaubt hatte, langsamer auf dem Fluß ging, flog er, sobald sie in den Neckar kamen, wie ein Pfeil; machte der Neckar eine Wendung, und hatten sonst die Flözer Mühe gehabt, den Floß in der Mitte zu halten und nicht auf Kies oder Sand zu stoßen, so sprang jetzt Michel allemal ins Wasser, rückte mit einem Zug den Floß links oder rechts, so daß er ohne Gefahr vorüberglitt, und kam dann eine gerade Stelle, so lief er aufs erste G'stair (Gelenk) vor, ließ alle ihre Stangen beisetzen, steckte seinen ungeheuren Weberbaum ins Kies, und mit einem Druck flog der Floß dahin, daß das Land und Bäume und Dörfer vorbeizujagen schienen. So waren sie in der Hälfte der Zeit, die man sonst brauchte, nach Köln am Rhein gekommen, wo sie sonst ihre Ladung verkauft hatten; aber hier sprach Michel: ›Ihr seid mir rechte Kaufleute, und versteht euren Nutzen! Meinet ihr denn die Kölner brauchen all dies Holz, das aus dem Schwarzwald kömmt, für sich? Nein, um den halben Wert kaufen sie es euch ab, und verhandeln es teuer nach Holland. Lasset uns die kleinen Balken hier verkaufen, und mit den großen nach Holland gehen; was wir über den gewöhnlichen Preis lösen, ist unser eigener Profit.‹
So sprach der arglistige Michel, und die andern waren es zufrieden; die einen, weil sie gerne nach Holland gezogen wären, es zu sehen, die andern des Geldes wegen. Nur ein einziger war redlich und mahnte sie ab, das Gut ihres Herrn der Gefahr auszusetzen, oder ihn um den höheren Preis zu betrügen, aber sie hörten nicht auf ihn und vergaßen seine Worte, aber der Holländer-Michel vergaß sie nicht. Sie fuhren auch mit dem Holz den Rhein hinab, Michel leitete den Floß und brachte sie schnell bis nach Rotterdam. Dort bot man ihnen das Vierfache von dem früheren Preis, und besonders die ungeheuren Balken des Michel wurden mit schwerem Geld bezahlt. Als die Schwarzwälder so viel Geld sahen, wußten sie sich vor Freude nicht zu fassen. Michel teilte ab; einen Teil dem Holzherrn, die drei andern unter die Männer. Und nun setzten sie sich mit Matrosen und anderem schlechtem Gesindel in die Wirtshäuser, verschlemmten und verspielten ihr Geld, den braven Mann aber, der ihnen abgeraten, verkaufte der Holländer-Michel an einen Seelenverkäufer, und man hat nichts mehr von ihm gehört. Von da an war den Burschen im Schwarzwald Holland das Paradies, und Holländer-Michel ihr König; die Holzherren erfuhren lange nichts von dem Handel, und unvermerkt kam Geld, Flüche, schlechte Sitten, Trunk und Spiel aus Holland herauf.
Der Holländer-Michel war aber, als die Geschichte herauskam, nirgends zu finden, aber tot ist er auch nicht; seit hundert Jahren  treibt er seinen Spuk im Wald, und man sagt, daß er schon vielen behülflich gewesen sei, reich zu werden aber – auf Kosten ihrer armen Seele, und mehr will ich nicht sagen. Aber soviel ist gewiß, daß er noch jetzt in solchen Sturmnächten im Tannenbühl, wo man nicht hauen soll, überall die schönsten Tannen aussucht, und mein Vater hat ihn eine vier Schuh dicke umbrechen sehen, wie ein Rohr. Mit diesen beschenkt er die, welche sich vom Rechten abwenden, und zu ihm gehen; um Mitternacht bringen sie dann die G'stair ins Wasser, und er rudert mit ihnen nach Holland. Aber wäre ich Herr und König in Holland, ich ließe ihn mit Kartätschen in den Boden schmettern, denn alle Schiffe, die von dem Holländer-Michel auch nur einen Balken haben, müssen untergehen. Daher kommt es, daß man so viel von Schiffbrüchen hört; wie könnte denn sonst ein schönes, starkes Schiff, so groß als eine Kirche, zu Grund gehen auf dem Wasser? Aber sooft Holländer-Michel in einer Sturmnacht im Schwarzwald eine Tanne fällt, springt eine seiner alten aus den Fugen des Schiffes; das Wasser dringt ein, und das Schiff ist mit Mann und Maus verloren. Das ist die Sage vom Holländer-Michel, und wahr ist es, alles Böse im Schwarzwald schreibt sich von ihm her; oh! er kann einen reich machen!« setzte der Greis geheimnisvoll hinzu, »aber ich möchte nichts von ihm haben; ich möchte um keinen Preis in der Haut des dicken Ezechiel, und des langes Schlurkers stecken; auch der Tanzbodenkönig soll sich ihm ergeben haben!«

Der Sturm hatte sich während der Erzählung des Alten gelegt; die Mädchen zündeten schüchtern die Lampen an, und gingen weg; die Männer aber legten Peter Munk einen Sack voll Laub als Kopfkissen auf die Ofenbank, und wünschten ihm gute Nacht.
Kohlen-Munk-Peter hatte noch nie so schwere Träume gehabt, wie in dieser Nacht; bald glaubte er der finstere riesige Holländer-Michel reiße die Stubenfenster auf, und reiche mit seinem ungeheuer langen Arm einen Beutel voll Goldstücke herein, die er untereinander schüttelte, daß es hell und lieblich klang; bald sah er wieder das kleine, freundliche Glasmännlein auf einer ungeheuren, grünen Flasche im Zimmer umherreiten, und er meinte das heisere Lachen wieder zu hören, wie im Tannenbühl; dann brummte es ihm wieder ins linke Ohr:
»In Holland gibt's Gold,
Könntet's haben, wenn Ihr wollt
Um geringen Sold
Gold, Gold.«
Dann hörte er wieder in sein rechtes Ohr das Liedchen vom Schatzhauser im grünen Tannenwald, und eine zarte Stimme flüsterte: »Dummer Kohlen-Peter, dummer Peter Munk kannst kein Sprüchlein reimen auf ›stehen‹, und bist doch am Sonntag geboren Schlag zwölf Uhr. Reime, dummer Peter reime!«
Er ächzte, er stöhnte im Schlaf, er mühte sich ab, einen Reim zu finden, aber da er in seinem Leben noch keinen gemacht hatte, war seine Mühe im Traum vergebens. Als er aber mit dem ersten Frührot erwachte, kam ihm doch sein Traum sonderbar vor; er setzte sich mit verschränkten Armen hinter den Tisch, und dachte über die Einflüsterungen nach, die ihm noch immer im Ohr lagen: »Reime, dummer Kohlen-Munk-Peter, reime«, sprach er zu sich, und pochte mit dem Finger an seine Stirne, aber es wollte kein Reim hervorkommen. Als er noch so dasaß, und trübe vor sich hinschaute, und an den Reim auf »stehen« dachte, da zogen drei Bursche vor dem Haus vorbei in den Wald, und einer sang im Vorübergehen:
»Am Berge tat ich stehen
Und schaute in das Tal,
Da hab ich sie gesehen
Zum allerletztenmal.«
Das fuhr wie ein leuchtender Blitz durch Peters Ohr, und hastig raffte er sich auf, stürzte aus dem Haus, weil er meinte, nicht recht gehört zu haben, sprang den drei Burschen nach, und packte den Sänger hastig und unsanft beim Arm: »Halt Freund!« rief er, »was habt Ihr da auf ›stehen‹ gereimt, tut mir die Liebe und sprecht, was Ihr gesungen.«
»Was ficht's dich an, Bursche?« entgegnete der Schwarzwälder. »Ich kann singen was ich will, und laß gleich meinen Arm los, oder –«
»Nein, sagen sollst du, was du gesungen hast!« schrie Peter beinahe außer sich und packte ihn noch fester an; die zwei andern aber, als sie dies sahen, zögerten nicht lange, sondern fielen mit derben Fäusten über den armen Peter her, und walkten ihn derb, bis er vor Schmerzen das Gewand des dritten ließ, und er schöpft in die Kniee sank. »Jetzt hast du dein Teil«, sprachen sie lachend, »und merk dir, toller Bursche, daß du Leute, wie wir sind, nimmer anfällst auf offenem Wege.«
»Ach, ich will es mir gewißlich merken!« erwiderte Kohlen-Peter seufzend; »aber so ich die Schläge habe, seid so gut und saget deutlich, was jener gesungen.«
Da lachten sie aufs neue, und spotteten ihn aus; aber der das Lied gesungen, sagte es ihm vor, und lachend und singend zogen sie weiter.
»Also ›sehen‹«, sprach der arme Geschlagene, indem er sich mühsam aufrichtete; »›sehen‹ und ›stehen‹, jetzt, Glasmännlein, wollen wir wieder ein Wort zusammen sprechen.« Er ging in die Hütte, holte seinen Hut und den langen Stock, nahm Abschied von den Bewohnern der Hütte, und trat seinen Rückweg nach dem Tannenbühl an. Er ging langsam und sinnend seine Straße, denn er mußte ja seinen Vers ersinnen; endlich, als er schon in dem Bereich des Tannenbühls ging, und die Tannen höher und dichter wurden, hatte er auch seinen Vers gefunden, und machte vor Freuden einen Sprung in die Höhe. Da trat ein riesengroßer Mann in Flözerkleidung, und eine Stange, so lang wie ein Mastbaum in der Hand, hinter den Tannen hervor. Peter Munk sank beinahe in die Kniee, als er jenen langsamen Schrittes neben sich wandeln sah; denn er dachte, das ist der Holländer-Michel, und kein anderer. Noch immer schwieg die furchtbare Gestalt, und Peter schielte zuweilen furchtsam nach ihm hin. Er war wohl einen Kopf größer, als der längste Mann, den Peter je gesehen, sein Gesicht war nicht mehr jung, doch auch nicht alt, aber voll Furchen und Falten; er trug ein Wams von Leinwand, und die ungeheuren Stiefeln, über die Lederbeinkleider heraufgezogen, waren Peter aus der Sage wohlbekannt.
»Peter Munk, was tust du im Tannenbühl?« fragte der Waldkönig endlich mit tiefer, dröhnender Stimme.
»Guten Morgen, Landsmann«, antwortete Peter, indem er sich unerschrocken zeigen wollte, aber heftig zitterte, »ich will durch den Tannenbühl nach Haus zurück.«
»Peter Munk«, erwiderte jener, und warf einen stechenden furchtbaren Blick nach ihm herüber, »dein Weg geht nicht durch diesen Hain.«
»Nun, so gerade just nicht«, sagte jener, »aber es macht heute warm, da dachte ich, es wird hier kühler sein.«

»Lüge nicht, du, Kohlen-Peter!« rief Holländer-Michel mit donnernder Stimme, »oder ich schlag dich mit der Stange zu Boden; meinst, ich hab dich nicht betteln sehen bei dem Kleinen?« setzte er sanft hinzu. »Geh, geh, das war ein dummer Streich, und gut ist es, daß du das Sprüchlein nicht wußtest; er ist ein Knauser, der kleine Kerl, und gibt nicht viel, und wem er gibt, der wird seines Lebens nicht froh. – Peter du bist ein armer Tropf, und dauerst mich in der Seele; so ein munterer, schöner Bursche, der in der Welt was anfangen könnte, und sollst Kohlen brennen! Wenn andere große Taler oder Dukaten aus dem Ärmel schütteln, kannst du kaum ein paar Sechser aufwenden; 's ist ein ärmlich Leben.«
»Wahr ist's; und recht habt Ihr; ein elendes Leben.«
»Na, mir soll's nicht drauf ankommen«, fuhr der schreckliche Michel fort; »hab schon manchem braven Kerl aus der Not geholfen, und du wärst nicht der erste. Sag einmal, wieviel hundert Taler brauchst du fürs erste?«
Bei diesen Worten schüttelte er das Geld in seiner ungeheuren Tasche untereinander, und es klang wieder wie diese Nacht im Traum. Aber Peters Herz zuckte ängstlich und schmerzhaft bei diesen Worten, es wurde ihm kalt und warm, und der Holländer-Michel sah nicht aus, wie wenn er aus Mitleid Geld wegschenkte, ohne etwas dafür zu verlangen. Es fielen ihm die geheimnisvollen Worte des alten Mannes über die reichen Menschen ein, und von unerklärlicher Angst und Bangigkeit gejagt, rief er: »Schön Dank, Herr! aber mit Euch will ich nichts zu schaffen haben, und ich kenn Euch schon«, und lief was er laufen konnte. – Aber der Waldgeist schritt mit ungeheuren Schritten neben ihm her, und murmelte dumpf und drohend: »Wirst's noch bereuen, Peter, wirst noch zu mir kommen; auf deiner Stirne steht's geschrieben, in deinem Auge ist's zu lesen; du entgehst mir nicht. – Lauf nicht so schnell, höre nur noch ein vernünftig Wort, dort ist schon meine Grenze.« Aber als Peter dies hörte, und unweit vor ihm einen kleinen Graben sah, beeilte er sich nur noch mehr, über die Grenze zu kommen, so daß Michel am Ende schneller laufen mußte und unter Flüchen und Drohungen ihn verfolgte. Der junge Mann setzte mit einem verzweifelten Sprung über den Graben, denn er sah, wie der Waldgeist mit seiner Stange ausholte, und sie auf ihn niederschmettern lassen wollte; er kam glücklich jenseits an, und die Stange zersplitterte in der Luft, wie an einer unsichtbaren Mauer, und ein langes Stück fiel zu Peter herüber.
Triumphierend hob er es auf, um es dem groben Holländer-Michel zuzuwerfen, aber in diesem Augenblick fühlte er das Stück Holz in seiner Hand sich bewegen, und zu seinem Entsetzen sah er, daß es eine ungeheure Schlange sei, was er in der Hand hielt, die sich schon mit geifernder Zunge und blitzenden Augen an ihm hinaufbäumte. Er ließ sie los, aber sie hatte sich schon fest um seinen Arm gewickelt und kam mit schwankendem Kopf seinem Gesicht immer näher; da rauschte auf einmal ein ungeheurer Auerhahn nieder, packte den Kopf der Schlange mit dem Schnabel, erhob sich mit ihr in die Lüfte, und Holländer-Michel, der dies alles von dem Graben aus gesehen hatte, heulte und schrie und raste, als die Schlange von einem Gewaltigern entführt ward.
Erschöpft und zitternd setzte Peter seinen Weg fort; der Pfad wurde steiler, die Gegend wilder, und bald fand er sich wieder an der ungeheuren Tanne. Er machte wieder wie gestern seine Verbeugungen gegen das unsichtbare Glasmännlein, und hub dann an:
»Schatzhauser im grünen Tannenwald
Bist schon viel' hundert Jahre alt,
Dein ist all' Land wo Tannen stehn,
Läßt dich nur Sonntagskindern sehn.«
»Hast's zwar nicht ganz getroffen, aber weil du es bist, Kohlen-Munk-Peter, so soll es so hingehen«, sprach eine zarte, feine Stimme neben ihm. Erstaunt sah er sich um, und unter einer schönen Tanne saß ein kleines, altes Männlein, in schwarzem Wams und roten Strümpfen, und den großen Hut auf dem Kopf. Er hatte ein feines, freundliches Gesichtchen, und ein Bärtchen so zart wie aus Spinnweben; er rauchte, was sonderbar anzusehen war, aus einer Pfeife von blauem Glas und als Peter näher trat, sah er zu seinem Erstaunen, daß auch Kleider, Schuhe und Hut des Kleinen aus gefärbtem Glas bestanden; aber es war geschmeidig, als ob es noch heiß wäre, denn es schmiegte sich wie ein Tuch nach jeder Bewegung des Männleins.
»Du hast dem Flegel begegnet, dem Holländer-Michel?« sagte der Kleine, indem er zwischen jedem Wort sonderbar hüstelte; »er hat dich recht ängstigen wollen, aber seinen Kunstprügel habe ich ihm abgejagt, den soll er nimmer wiederkriegen.«
»Ja, Herr Schatzhauser«, erwiderte Peter mit einer tiefen Verbeugung, »es war mir recht bange. Aber Ihr seid wohl der Herr Auerhahn gewesen, der die Schlange totgebissen; da bedanke ich mich schönstens. – Ich komme aber, um mich Rats zu erholen bei Euch; es geht mir gar schlecht und hinderlich; ein Kohlenbrenner bringt es nicht weit; und da ich noch jung bin, dächte ich doch, es könnte noch was Besseres aus mir werden; und wenn ich oft andere sehe, wie weit die es in kurzer Zeit gebracht haben; wenn ich nur den Ezechiel nehme und den Tanzbodenkönig; die haben Geld wie Heu.«
»Peter«, sagte der Kleine sehr ernst, und blies den Rauch aus seiner Pfeife weit hinweg; »Peter, sag mir nichts von diesen. Was haben sie davon, wenn sie hier ein paar Jahre dem Schein nach glücklich, und dann nachher desto unglücklicher sind? Du mußt dein Handwerk nicht verachten; dein Vater und Großvater waren Ehrenleute und haben es auch getrieben, Peter Munk! ich will nicht hoffen, daß es Liebe zum Müßiggang ist, was dich zu mir führt.«
Peter erschrak vor dem Ernst des Männleins und errötete: »Nein«, sagte er, »Müßiggang, weiß ich wohl, Herr Schatzhauser im Tannenwald, Müßiggang ist aller Laster Anfang, aber das könnet Ihr mir nicht übelnehmen, wenn mir ein anderer Stand besser gefällt, als der meinige. Ein Kohlenbrenner ist halt so gar etwas Geringes auf der Welt, und die Glasleute und Flözer und Uhrmacher und alle sind angesehener.«
»Hochmut kommt oft vor dem Fall«, erwiderte der kleine Herr vom Tannenwald etwas freundlicher; »ihr seid ein sonderbar Geschlecht, ihr Menschen! Selten ist einer mit dem Stand ganz zufrieden, in dem er geboren und erzogen ist, und was gilt's, wenn du ein Glasmann wärest, möchtest du gern ein Holzherr sein, und wärest du Holzherr, so stünde dir des Försters Dienst, oder des Amtmanns Wohnung an. Aber es sei; wenn du versprichst, brav zu arbeiten, so will ich dir zu etwas Besserem verhelfen, Peter. Ich pflege jedem Sonntagskind, das sich zu mir zu finden weiß, drei Wünsche zu gewähren; die ersten zwei sind frei; den dritten kann ich verweigern, wenn er töricht ist. So wünsche dir also jetzt etwas; aber – Peter, etwas Gutes und Nützliches.«
»Heisa! Ihr seid ein treffliches Glasmännlein, und mit Recht nennt man Euch Schatzhauser, denn bei Euch sind die Schätze zu Hause. Nu – und also darf ich wünschen, wornach mein  Herz begehrt, so will ich denn fürs erste, daß ich noch besser tanzen könne, als der Tanzbodenkönig, und jedesmal noch einmal soviel Geld ins Wirtshaus bringe als er.«
»Du Tor!« erwiderte der Kleine zürnend. »Welch ein erbärmlicher Wunsch ist dies, gut tanzen zu können, und Geld zum Spiel zu haben. Schämst du dich nicht, dummer Peter, dich selbst so um dein Glück zu betrügen? Was nützt es dir und deiner armen Mutter, wenn du tanzen kannst? Was nützt dir dein Geld, das nach deinem Wunsch nur für das Wirtshaus ist, und wie das des elenden Tanzbodenkönigs dort bleibt. Dann hast du wieder die ganze Woche nichts, und darbst wie zuvor. Noch einen Wunsch gebe ich dir frei, aber sieh dich vor, daß du vernünftiger wünschest.«

Peter kraute sich hinter den Ohren, und sprach nach einigem Zögern: »Nun so wünsche ich mir die schönste und reichste Glashütte im ganzen Schwarzwald, mit allem Zugehör, und Geld, sie zu leiten.«
»Sonst nichts?« fragte der Kleine mit besorglicher Miene. »Peter, sonst nichts?«
»Nu – Ihr könnet noch ein Pferd dazutun, und ein Wägelchen –«
»Oh, du dummer Kohlen-Munk-Peter!« rief der Kleine, und warf seine gläserne Pfeife im Unmut an eine dicke Tanne, daß sie in hundert Stücke sprang, »Pferde, Wägelchen? Verstand, sag ich dir, Verstand, gesunden Menschenverstand und Einsicht hättest du wünschen sollen, aber nicht Pferdchen und Wägelchen. Nun, werde nur nicht so traurig, wir wollen sehen, daß es auch so nicht zu deinem Schaden ist; denn der zweite Wunsch war im ganzen nicht töricht; eine gute Glashütte nährt auch ihren Mann und Meister, nur hättest du Einsicht und Verstand dazu mitnehmen können, Wagen und Pferde wären dann wohl von selbst gekommen.«
 
»Aber, Herr Schatzhauser«, erwiderte Peter, »ich habe ja noch einen Wunsch übrig; da könnte ich ja Verstand wünschen, wenn er mir so überaus nötig ist, wie Ihr meinet.«
»Nichts da; du wirst noch in manche Verlegenheit kommen, wo du froh sein wirst, wenn du noch einen Wunsch frei hast; und nun mache dich auf den Weg nach Hause. Hier sind«, sprach der kleine Tannengeist, indem er ein kleines Beutelein aus der Tasche zog, »hier sind zweitausend Gulden, und damit genug, und komm mir nicht wieder um Geld zu fordern, denn dann müßte ich dich an die höchste Tanne aufhängen; so hab ich's gehalten, seit ich in dem Wald wohne. Vor drei Tagen aber ist der alte Winkfritz gestorben, der die große Glashütte gehabt hat im Unterwald. Dorthin gehe morgen frühe, und mach ein Bot auf das Gewerbe, wie es recht ist. Halt dich wohl, sei fleißig und ich will dich zuweilen besuchen, und dir mit Rat und Tat an die Hand gehen, weil du dir doch keinen Verstand erbeten; aber, und das sag ich dir ernstlich, dein erster Wunsch war böse; nimm dich in acht vor dem Wirtshauslaufen; Peter! 's hat noch bei keinem lange gut getan.« Das Männlein hatte, während es dies sprach, eine neue Pfeife vom schönsten Beinglas hervorgezogen, sie mit gedörrten Tannenzapfen gestopft, und in den kleinen, zahnlosen Mund gesteckt. Dann zog er ein ungeheures Brennglas hervor, trat in die Sonne, und zündete seine Pfeife an. Als er damit fertig war, bot er dem Peter freundlich die Hand, gab ihm noch ein paar gute Lehren auf den Weg, rauchte und blies immer schneller, und verschwand endlich in einer Rauchwolke, die nach echtem holländischen Tabak roch, und langsam sich kräuselnd in den Tannenwipfeln verschwebte.

Als Peter nach Haus kam, fand er seine Mutter sehr in Sorgen um ihn, denn die gute Frau glaubte nicht anders, als ihr Sohn sei zum Soldaten ausgehoben worden. Er aber war fröhlich und guter Dinge, und erzählte ihr, wie er im Wald einen guten Freund getroffen, der ihm Geld vorgeschossen habe, um ein anderes Geschäft, als Kohlenbrennen, anzufangen. Obgleich seine Mutter schon seit dreißig Jahren in der Köhlerhütte wohnte, und an den Anblick berußter Leute so gewöhnt war, als jede Müllerin an das Mehlgesicht ihres Mannes, so war sie doch eitel genug, sobald ihr Peter ein glänzenderes Los zeigte, ihren früheren Stand zu verachten, und sprach: »Ja, als Mutter eines Mannes, der eine Glashütte besitzt, bin ich doch was anderes, als Nachbarin Grete und Bete, und setze mich in Zukunft vornehin in der Kirche, wo rechte Leute sitzen.« Ihr Sohn aber wurde mit den Erben der Glashütte bald handelseinig; er behielt die Arbeiter, die er vorfand, bei sich, und ließ nun Tag und Nacht Glas machen. Anfangs gefiel ihm das Handwerk wohl; er pflegte gemächlich in die Glashütte hinabzusteigen, ging dort mit vornehmen Schritten, die Hände in die Taschen gesteckt, hin und her, guckte dahin, guckte dorthin, sprach dies und jenes, worüber seine Arbeiter oft nicht wenig lachten, und seine größte Freude war das Glas blasen zu sehen, und oft machte er sich selbst an die Arbeit, und formte aus der noch weichen Masse die sonderbarsten Figuren. Bald aber war ihm die Arbeit entleidet, und er kam zuerst nur noch eine Stunde des Tages in die Hütte, dann nur alle zwei Tage, endlich die Woche nur einmal, und seine Gesellen machten was sie wollten. Das alles kam aber nur vom Wirtshauslaufen; den Sonntag, nachdem er vom Tannenbühl zurückgekommen war, ging er ins Wirtshaus, und wer schon auf dem Tanzboden sprang, war der Tanzbodenkönig, und der dicke Ezechiel saß auch schon hinter der Maßkanne, und knöchelte um Kronentaler. Da fuhr Peter schnell in die Tasche, zu sehen, ob ihm das Glasmännlein Wort gehalten, und siehe, seine Tasche strotzte von Silber und Gold; auch in seinen Beinen zuckte und drückte es, wie wenn sie tanzen und springen wollten, und als der erste Tanz zu Ende war, stellte er sich mit seiner Tänzerin obenan, neben den Tanzbodenkönig, und sprang dieser drei Schuh hoch, so flog Peter vier, und machte dieser wunderliche und zierliche Schritte, so verschlang und drehte Peter seine Füße, daß alle Zuschauer vor Lust und Verwunderung beinahe außer sich kamen. Als man aber auf dem Tanzboden vernahm, daß Peter eine Glashütte gekauft habe, als man sah, daß er, sooft er an den Musikanten vorbeitanzte, ihnen einen Sechsbätzner zuwarf, da war des Staunens kein Ende; die einen glaubten, er habe einen Schatz im Wald gefunden, die andern meinten, er habe eine Erbschaft getan, aber alle verehrten ihn jetzt, und hielten ihn für einen gemachten Mann, nur weil er Geld hatte. Verspielte er doch noch an demselben Abend zwanzig Gulden, und nichtsdestominder rasselte und klang es in seiner Tasche, wie wenn noch hundert Taler darin wären.
Als Peter sah, wie angesehen er war, wußte er sich vor Freude und Stolz nicht zu fassen. Er warf das Geld mit vollen Händen weg, und teilte es den Armen reichlich mit, wußte er doch, wie ihn selbst einst die Armut gedrückt hatte. Des Tanzbodenkönigs Künste wurden vor den übernatürlichen Künsten des neuen Tänzers zuschanden, und Peter führte jetzt den Namen Tanzkaiser. Die unternehmendsten Spieler am Sonntag wagten nicht so viel wie er, aber sie verloren auch nicht so viel. Und je mehr er verlor, desto mehr gewann er; das verhielt sich aber ganz so, wie er es vom kleinen Glasmännlein verlangt hatte; er hatte sich gewünscht, immer so viel Geld in der Tasche zu haben, wie der dicke Ezechiel, und gerade dieser war es, an welchen er sein Geld  verspielte; und wenn er zwanzig, dreißig Gulden auf einmal verlor, so hatte er sie alsobald wieder in der Tasche, wenn sie Ezechiel einstrich. Nach und nach brachte er es aber im Schlemmen und Spielen weiter, als die schlechtesten Gesellen im Schwarzwald, und man nannte ihn öfter Spiel-Peter, als Tanzkaiser, denn er spielte jetzt auch beinahe an allen Werktagen. Darüber kam aber seine Glashütte nach und nach in Verfall, und daran war Peters Unverstand schuld. Glas ließ er machen, soviel man immer machen konnte, aber er hatte mit der Hütte nicht zugleich das Geheimnis gekauft, wohin man es am besten verschleißen könne. Er wußte am Ende mit der Menge Glas nichts anzufangen, und verkaufte es um den halben Preis an herumziehende Händler, nur um seine Arbeiter bezahlen zu können.

Eines Abends ging er auch wieder vom Wirtshaus heim, und dachte trotz des vielen Weines, den er getrunken, um sich fröhlich zu machen, mit Schrecken und Gram an den Verfall seines Vermögens; da bemerkte er auf einmal, daß jemand neben ihm gehe, er sah sich um, und siehe da – es war das Glasmännlein. Da geriet er in Zorn und Eifer, vermaß sich hoch und teuer, und schwur, der Kleine sei an all seinem Unglück schuld: »Was tu ich nun mit Pferd und Wägelchen?« rief er, »was nutzt mich die Hütte und all mein Glas? Selbst als ich noch ein elender Köhlersbursch war, lebte ich froher, und hatte keine Sorgen; jetzt weiß ich nicht, wenn der Amtmann kommt, und meine Habe schätzt, und mir vergantet der Schulden wegen!«
»So?« entgegnete das Glasmännlein; »so? ich also soll schuld daran sein, wenn du unglücklich bist? Ist dies der Dank für meine Wohltaten? Wer hieß dich auch so töricht wünschen? Ein Glasmann wolltest du sein, und wußtest nicht wohin dein Glas verkaufen? Sagte ich dir nicht, du solltest behutsam wünschen? Verstand, Peter, Klugheit hat dir gefehlt.«
»Was Verstand und Klugheit!« rief jener, »ich bin ein so kluger Bursche als irgendeiner, und will es dir zeigen, Glasmännlein«, und bei diesen Worten faßte er das Männlein unsanft am Kragen und schrie: »Hab ich dich jetzt, Schatzhauser im grünen Tannenwald? Und den dritten Wunsch will ich jetzt tun, den sollst du mir gewähren; und so will ich hier auf der Stelle zweimalhunderttausend harte Taler, und ein Haus und – o weh!« schrie er und schüttelte die Hand, denn das Waldmännchen hatte sich in glühendes Glas verwandelt und brannte in seiner Hand wie sprühendes Feuer. Aber von dem Männlein war nichts mehr zu sehen.
Mehrere Tage lang erinnerte ihn seine geschwollene Hand an seine Undankbarkeit und Torheit; dann aber übertäubte er sein Gewissen und sprach: »Und wenn sie mir die Glashütte und alles verkaufen, so bleibt mir doch noch immer der dicke Ezechiel; solange der Geld hat am Sonntag, kann es mir nicht fehlen.«
Ja Peter! Aber wenn er keines hat? Und so geschah es eines Tages und war ein wunderliches Rechenexempel. Denn eines Sonntags kam er angefahren ans Wirtshaus, und die Leute streckten die Köpfe durch die Fenster, und der eine sagte: »Da kommt der Spiel-Peter«, und der andere: »Ja der Tanzkaiser, der reiche Glasmann«, und ein dritter schüttelte den Kopf und sprach: »Mit dem Reichtum kann man es machen, man sagt allerlei von seinen Schulden, und in der Stadt hat einer gesagt, der Amtmann werde nicht mehr lang säumen zum Auspfänden.« Indessen grüßte der reiche Peter die Gäste am Fenster vornehm und gravitätisch, stieg vom Wagen und schrie: »Sonnenwirt, guten Abend, ist der dicke Ezechiel schon da?« Und eine tiefe Stimme rief: »Nur herein Peter! Dein Platz ist dir aufbehalten, wir sind schon da und bei den Karten.« So trat Peter Munk in die Wirtsstube, und fuhr gleich in die Tasche, und merkte, daß Ezechiel gut versehen sein müsse, denn seine Tasche war bis oben angefüllt.
Er setzte sich hinter den Tisch zu den andern, und spielte und gewann und verlor hin und her, und so spielten sie, bis andere ehrliche Leute, als es Abend wurde, nach Hause gingen, und spielten bei Licht, bis zwei andere Spieler sagten: »Jetzt ist's genug, und wir müssen heim zu Frau und Kind.« Aber Spiel-Peter forderte den dicken Ezechiel auf zu bleiben; dieser wollte lange nicht, endlich aber rief er: »Gut, jetzt will ich mein Geld zählen und dann wollen wir knöcheln, den Satz um 5 Gulden, denn niederer ist es doch nur Kinderspiel.« Er zog den Beutel und zählte, und fand hundert Gulden bar, und Spiel-Peter wußte nun wieviel er selbst habe und brauchte es nicht erst zu zählen. Aber hatte Ezechiel vorher gewonnen, so verlor er jetzt Satz für Satz, und fluchte greulich dabei. Warf er einen Pasch, gleich warf Spiel-Peter auch einen, und immer zwei Augen höher. Da setzte er endlich die letzten fünf Gulden auf den Tisch und rief: »Noch einmal, und wenn ich auch den noch verliere, so höre ich doch nicht auf, dann leihst du mir von deinem Gewinn, Peter, ein ehrlicher Kerl hilft dem andern!«
»Soviel du willst, und wenn es hundert Gulden sein sollten«, sprach der Tanzkaiser, fröhlich über seinen Gewinn, und der dicke Ezechiel schüttelte die Würfel und warf 15. »Pasch!« rief er, »jetzt wollen wir sehen!« Peter aber warf 18, und eine heisere bekannte Stimme hinter ihm sprach: »So, das war der letzte.«
Er sah sich um, und riesengroß stand der Holländer-Michel hinter ihm; erschrocken ließ er das Geld fallen, das er schon eingezogen hatte. Aber der dicke Ezechiel sah den Waldmann nicht, sondern verlangte, der Spiel-Peter solle ihm 10 Gulden vorstrecken zum Spiel; halb im Traum fuhr dieser mit der Hand in die Tasche, aber da war kein Geld, er suchte in der andern Tasche, aber auch da fand sich nichts, er kehrte den Rock um, aber es fiel kein roter Heller heraus, und jetzt erst gedachte er seines eigenen ersten Wunsches, immer soviel Geld zu haben, als der dicke Ezechiel. Wie Rauch war alles verschwunden.
Der Wirt und Ezechiel sahen ihn staunend an, als er immer suchte und sein Geld nicht finden konnte, sie wollten ihm nicht glauben, daß er keines mehr habe, aber als sie endlich selbst in seinen Taschen suchten, wurden sie zornig und schwuren, der Spiel-Peter sei ein böser Zauberer, und habe all das gewonnene Geld und sein eigenes nach Hause gewünscht. Peter verteidigte sich standhaft, aber der Schein war gegen ihn; Ezechiel sagte, er wolle die schreckliche Geschichte allen Leuten im Schwarzwald erzählen, und der Wirt versprach ihm, morgen mit dem frühesten in die Stadt zu gehen, und Peter Munk als Zauberer anzuklagen, und er wolle es erleben, setzte er hinzu, daß man ihn verbrenne. Dann fielen sie wütend über ihn her, rissen ihm das Wams vom Leib und warfen ihn zur Türe hinaus.
Kein Stern schien am Himmel, als Peter trübselig seiner Wohnung zuschlich, aber dennoch konnte er eine dunkle Gestalt erkennen, die neben ihm her schritt und endlich sprach: »Mit dir ist's aus, Peter Munk, all deine Herrlichkeit ist zu Ende, und das hätt ich dir schon damals sagen können, als du nichts von mir hören wolltest, und zu dem dummen Glaszwerg liefst. Da siehst du jetzt, was man davon hat, wenn man meinen Rat verachtet. Aber versuch es einmal mit mir, ich habe Mitleiden mit deinem Schicksal; noch keinen hat es gereut, der sich an mich wandte, und wenn du den Weg nicht scheust, morgen den ganzen Tag bin ich am Tannenbühl zu sprechen, wenn du mich rufst.« Peter merkte wohl, wer so zu ihm spreche, aber es kam ihn ein Grauen an; er antwortete nichts, sondern lief seinem Haus zu.
[237] Bei diesen Worten wurde der Erzähler durch ein Geräusch vor der Schenke unterbrochen. Man hörte einen Wagen anfahren, mehrere Stimmen riefen nach Licht, es wurde heftig an das Hoftor gepocht, und dazwischen heulten mehrere Hunde. Die Kammer, die man dem Fuhrmann und den Handwerksburschen angewiesen hatte, ging nach der Straße hinaus; die vier Gäste sprangen auf und liefen dorthin, um zu sehen, was vorgefallen sei. Soviel sie bei dem Schein einer Laterne sehen konnten, stand ein großer Reisewagen vor der Schenke; soeben war ein großer Mann beschäftigt, zwei verschleierte Frauen aus dem Wagen zu heben, und einen Kutscher in Livree sah man die Pferde abspannen, ein Bedienter aber schnallte den Koffer los. »Diesen sei Gott gnädig«, seufzte der Fuhrmann; »wenn diese mit heiler Haut aus dieser Schenke kommen, so ist mir für meinen Karren auch nicht mehr bange.«
»Stille!« flüsterte der Student. »Mir ahnet, daß man eigentlich nicht uns, sondern dieser Dame auflauert; wahrscheinlich waren sie unten schon von ihrer Reise unterrichtet; wenn man sie nur warnen könnte! doch halt! es ist im ganzen Wirtshaus kein anständiges Zimmer für die Damen, als das neben dem meinigen. Dorthin wird man sie führen. Bleibet ihr ruhig in dieser Kammer, ich will die Bedienten zu unterrichten suchen.«
Der junge Mann schlich sich auf sein Zimmer; löschte die Kerzen aus, und ließ nur das Licht brennen, das ihm die Wirtin gegeben. Dann lauschte er an der Türe.
Bald kam die Wirtin mit den Damen die Treppe herauf, und führte sie mit freundlichen, sanften Worten in das Zimmer nebenan. Sie redete ihren Gästen zu, sich bald niederzulegen, weil sie von der Reise erschöpft sein werden; dann ging sie wieder hinab. Bald darauf hörte der Student schwere männliche Tritte die Treppe heraufkommen; er öffnete behutsam die Türe, und erblickte durch eine kleine Spalte den großen Mann, welcher die Damen aus dem Wagen gehoben; er trug ein Jagdkleid, und hatte einen Hirschfänger an der Seite, und war wohl der Reisestallmeister, oder Begleiter der fremden Damen. Als der Student bemerkte, daß dieser allein heraufgekommen war, öffnete er schnell die Türe, und winkte dem Mann, zu ihm einzutreten. Verwundert trat dieser näher, und ehe er noch fragen konnte, was man von ihm wolle, flüsterte ihm jener zu: »Mein Herr! Sie sind heute nacht in eine Räuberschenke geraten.«

Der Mann erschrak; der Student zog ihn aber vollends in seine Türe, und erzählte ihm, wie verdächtig es in diesem Hause aussehe.
Der Jäger wurde sehr besorgt, als er dies hörte; er belehrte den jungen Mann, daß die Damen, eine Gräfin und ihre Kammerfrau, anfänglich die ganze Nacht durch haben fahren wollen; aber etwa eine halbe Stunde von dieser Schenke sei ihnen ein Reuter begegnet, der sie angerufen und gefragt habe, wohin sie reisen wollten; als er vernommen, daß sie gesonnen seien, die ganze Nacht durch den Spessart zu reisen, habe er ihnen abgeraten, indem es gegenwärtig sehr unsicher sei. »Wenn Ihnen am Rat eines redlichen Mannes etwas liegt«, habe er hinzugesetzt, »so stehen Sie ab von diesem Gedanken; es liege nicht weit von hier eine Schenke; so schlecht und unbequem sie sein mag, so übernachten Sie lieber daselbst, als daß Sie sich in dieser dunkeln Nacht unnötig der Gefahr preisgeben.« Der Mann, der ihnen dies geraten, habe sehr ehrlich und rechtlich ausgesehen, und die Gräfin habe in der Angst vor einem Räuberanfall befohlen, an dieser Schenke stillezuhalten.
Der Jäger hielt es für seine Pflicht, die Damen von der Gefahr, worin sie schwebten, zu unterrichten. Er ging in das andere Zimmer, und bald darauf öffnete er die Türe, welche von dem Zimmer der Gräfin in das des Studenten führte; die Gräfin, eine Dame von etwa vierzig Jahren, trat vor Schrecken bleich zu dem Studenten heraus, und ließ sich alles noch einmal von ihm wiederholen. Dann beriet man sich, was in dieser mißlichen Lage zu tun sei, und beschloß, so behutsam als möglich die zwei Bedienten, den Fuhrmann und die Handwerksbursche herbeizuholen, um im Fall eines Angriffs, wenigstens gemeinsame Sache machen zu können.
Als dieses bald darauf geschehen war, wurde das Zimmer der Gräfin gegen die Hausflur hin verschlossen, und mit Kommoden und Stühlen verrammelt. Sie setzte sich mit ihrer Kammerfrau aufs Bette, und die zwei Bedienten hielten bei ihr Wache. Die früheren Gäste aber und der Jäger setzten sich im Zimmer des Studenten um den Tisch, und beschlossen, die Gefahr zu erwarten. Es mochte jetzt etwa zehn Uhr sein, im Hause war alles ruhig und still, und noch machte man keine Miene, die Gäste zu stören. Da sprach der Zirkelschmidt: »Um wach zu bleiben, wäre es wohl das beste, wir machten es wieder wie zuvor; wir erzählten nämlich, was wir von allerlei Geschichten wissen, und wenn der Herr Jäger nichts dagegen hat, so könnten wir weiter  fortfahren.« Der Jäger aber hatte nicht nur nichts dagegen einzuwenden, sondern um seine Bereitwilligkeit zu zeigen, versprach er, selbst etwas zu erzählen. Er hub an:
Als Peter am Montagmorgen in seine Glashütte ging, da waren nicht nur seine Arbeiter da, sondern auch andere Leute, die man nicht gerne sieht, nämlich der Amtmann und drei Gerichtsdiener. Der Amtmann wünschte Petern einen guten Morgen, fragte wie er geschlafen, und zog dann ein langes Register heraus, und darauf waren Peters Gläubiger verzeichnet. »Könnt Ihr zahlen oder nicht?« fragte der Amtmann mit strengem Blick, »und macht es nur kurz, denn ich habe nicht viel Zeit zu versäumen, und in den Turm ist es drei gute Stunden.« Da verzagte Peter, gestand, daß er nichts mehr habe, und überließ es dem Amtmann, Haus und Hof, Hütte und Stall, Wagen und Pferde zu schätzen; und als die Gerichtsdiener und der Amtmann umhergingen und prüften und schätzten, dachte er, bis zum Tannenbühl ist's nicht weit, hat mir der Kleine nichts geholfen, so will ich es einmal mit dem Großen versuchen. Er lief dem Tannenbühl zu, so schnell, als ob die Gerichtsdiener ihm auf den Fersen wären, es war ihm, als er an dem Platz vorbeirannte, wo er das Glasmännlein zuerst gesprochen, als halte ihn eine unsichtbare Hand auf, aber er riß sich los und lief weiter, bis an  die Grenze, die er sich früher wohl gemerkt hatte, und kaum hatte er, beinahe atemlos, »Holländer-Michel, Herr Holländer-Michel« gerufen, als auch schon der riesengroße Flözer mit seiner Stange vor ihm stand.
»Kommst du?« sprach dieser lachend; »haben sie dir die Haut abziehen und deinen Gläubigern verkaufen wollen? Nu, sei ruhig; dein ganzer Jammer kommt, wie gesagt, von dem kleinen Glasmännlein, von dem Separatisten und Frömmler her. Wenn man schenkt, muß man gleich recht schenken, und nicht wie dieser Knauser. Doch komm«, fuhr er fort, und wandte sich gegen den Wald, »folge mir in mein Haus, dort wollen wir sehen, ob wir handelseinig werden.«
Handelseinig? dachte Peter. Was kann er denn von mir verlangen, was kann ich an ihn verhandeln? Soll ich ihm etwa dienen, oder was will er? Sie gingen zuerst über einen steilen Waldsteig hinan, und standen dann mit einemmal an einer dunkeln, tiefen, abschüssigen Schlucht; Holländer-Michel sprang den Felsen hinab, wie wenn es eine sanfte Marmortreppe wäre; aber bald wäre Peter in Ohnmacht gesunken, denn als jener unten angekommen war, machte er sich so groß wie ein Kirchturm und reichte ihm einen Arm, so lange als ein Weberbaum, und eine Hand daran, so breit als der Tisch im Wirtshaus, und rief mit einer Stimme, die heraufschallte wie eine tiefe Totenglocke: »Setz dich nur auf meine Hand und halte dich an den Fingern, so wirst du nicht fallen.« Peter tat zitternd, wie jener befohlen, nahm Platz auf der Hand, und hielt sich am Daumen des Riesen.
Es ging weit und tief hinab, aber dennoch ward es zu Peters Verwunderung nicht dunkler, im Gegenteil, die Tageshelle schien sogar zuzunehmen in der Schlucht, aber er konnte sie lange in den Augen nicht ertragen. Der Holländer-Michel hatte sich, je weiter Peter herabkam, wieder kleiner gemacht, und stand nun in seiner früheren Gestalt vor einem Haus, so gering oder gut, als es reiche Bauern auf dem Schwarzwald haben. Die Stube, worein Peter geführt wurde, unterschied sich durch nichts von den Stuben anderer Leute, als dadurch, daß sie einsam schien.
Die hölzerne Wanduhr, der ungeheure Kachelofen, die breiten Bänke, die Gerätschaften auf den Gesimsen, waren hier wie überall. Michel wies ihm einen Platz hinter dem großen Tisch an, ging dann hinaus, und kam bald mit einem Krug Wein und Gläsern wieder. Er goß ein und nun schwatzten sie, und Holländer-Michel [305] erzählte von den Freuden der Welt, von fremden Ländern, schönen Städten und Flüssen, daß Peter, am Ende große Sehnsucht darnach bekommend, dies auch offen dem Holländer erzählte.
»Wenn du im ganzen Körper Mut und Kraft etwas zu unternehmen hattest, da konnten ein paar Schläge des dummen Herzens dich zittern machen; und dann die Kränkungen der Ehre, das Unglück, für was soll sich ein vernünftiger Kerl um dergleichen bekümmern? hast du's im Kopf empfunden, als dich letzthin einer einen Betrüger und schlechten Kerl nannte? hat es dir im Magen wehe getan, als der Amtmann kam, dich aus dem Haus zu werfen? Was? sag an, was hat dir wehe getan?«
»Mein Herz«, sprach Peter, indem er die Hand auf die pochende Brust preßte, denn es war ihm, als ob sein Herz sich ängstlich hin und her wendete.
»Du hast, nimm mir es nicht übel, du hast viele hundert Gulden an schlechte Bettler und anderes Gesindel weggeworfen; was hat es dich genützt? Sie haben dir dafür Segen und einen gesunden Leib gewünscht; ja bist du deswegen gesünder geworden? Um die Hälfte des verschleuderten Geldes hättest du einen Arzt gehalten. Segen, ja ein schöner Segen, wenn man ausgepfändet und ausgestoßen wird! Und was war es, das dich getrieben, in die Tasche zu fahren, sooft ein Bettelmann seinen zerlumpten Hut hinstreckte? – Dein Herz, auch wieder dein Herz, und weder deine Augen, noch deine Zunge, deine Arme noch deine Beine, sondern dein Herz. Du hast dir es, wie man richtig sagt, zu sehr zu Herzen genommen.«
»Aber wie kann man sich denn angewöhnen, daß es nicht mehr so ist? Ich gebe mir jetzt alle Mühe, es zu unterdrücken, und dennoch pocht mein Herz und tut mir wehe.«
»Du freilich«, rief jener mit Lachen, »du armer Schelm, kannst nichts dagegen tun; aber gib mir das kaum pochende Ding und du wirst sehen, wie gut du es dann hast.«
»Euch, mein Herz?« schrie Peter mit Entsetzen. »Da müßte ich ja sterben auf der Stelle! Nimmermehr!«
»Ja, wenn dir einer eurer Herrn Chirurgen das Herz aus dem Leib operieren wollte, da müßtest du wohl sterben; bei mir ist dies ein anderes Ding; doch komm herein und überzeuge dich selbst.« Er stand bei diesen Worten auf, öffnete eine Kammertüre und führte Peter hinein. Sein Herz zog sich krampfhaft zusammen, als er über die Schwelle trat, aber er achtete es nicht,[306] denn der Anblick, der sich ihm bot, war sonderbar und überraschend. Auf mehreren Gesimsen von Holz standen Gläser, mit durchsichtiger Flüssigkeit gefüllt, und in jedem dieser Gläser lag ein Herz, auch waren an den Gläsern Zettel angeklebt und Namen darauf geschrieben, die Peter neugierig las; da war das Herz des Amtmanns in F.; das Herz des dicken Ezechiel, das Herz des Tanzbodenkönigs, das Herz des Oberförsters; da waren sechs Herzen von Kornwucherern, acht von Werboffizieren, drei von Geldmäklern – kurz es war eine Sammlung der angesehensten Herzen in der Umgegend von zwanzig Stunden.
»Schau!« sprach Holländer-Michel, »diese alle haben des Lebens Ängsten und Sorgen weggeworfen, keines dieser Herzen schlägt mehr ängstlich und besorgt und ihre ehemaligen Besitzer befinden sich wohl dabei, daß sie den unruhigen Gast aus dem Hause haben.«
»Aber was tragen sie denn jetzt dafür in der Brust?« fragte Peter, den dies alles, was er gesehen, beinahe schwindeln machte.
»Dies«, antwortete jener, und reichte ihm aus einem Schubfach – ein steinernes Herz.
»So?« erwiderte er, und konnte sich eines Schauers, der ihm über die Haut ging, nicht erwehren. »Ein Herz von Marmelstein? Aber, horch einmal, Herr Holländer-Michel, das muß doch gar kalt sein in der Brust.«
»Freilich, aber ganz angenehm kühl; warum soll denn ein Herz warm sein? im Winter nützt dich die Wärme nichts, da hilft ein guter Kirschgeist mehr als ein warmes Herz, und im Sommer, wenn alles schwül und heiß ist – du glaubst nicht, wie dann solch ein Herz abkühlt; und wie gesagt, weder Angst noch Schrecken, weder törichtes Mitleiden noch anderer Jammer pocht an solch ein Herz.«
»Und das ist alles, was Ihr mir geben könnet«, fragte Peter unmutig; »ich hoff auf Geld, und Ihr wollet mir einen Stein geben!«
»Nu, ich denke an hunderttausend Gulden hättest du fürs erste genug; wenn du es geschickt umtreibst, kannst du bald ein Millionär werden.«
»Hunderttausend?« rief der arme Köhler freudig, »nun so poche doch nicht so ungestüm in meiner Brust, wir werden bald fertig sein miteinander. Gut, Michel; gebt mir den Stein und das Geld und die Unruh könnet Ihr aus dem Gehäuse nehmen.«
»Ich dachte es doch, daß du ein vernünftiger Bursche seist«, [307] antwortete der Holländer freundlich lächelnd, »komm, laß uns noch eins trinken, und dann will ich das Geld auszahlen.«
So setzten sie sich wieder in die Stube zum Wein, tranken und tranken wieder, bis Peter in einen tiefen Schlaf verfiel.
Kohlen-Munk-Peter erwachte beim fröhlichen Schmettern eines Posthorns und siehe da, er saß in einem schönen Wagen, fuhr auf einer breiten Straße dahin, und als er sich aus dem Wagen bog, sah er in blauer Ferne hinter sich den Schwarzwald liegen. Anfänglich wollte er gar nicht glauben, daß er es selbst sei, der in diesem Wagen sitze; denn auch seine Kleider waren gar nicht mehr dieselben, die er gestern getragen, aber er erinnerte sich doch an alles so deutlich, daß er endlich sein Nachsinnen aufgab und rief: »Der Kohlen-Munk-Peter bin ich, das ist ausgemacht, und kein anderer.« Er wunderte sich über sich selbst, daß er gar nicht wehmütig werden konnte, als er jetzt zum erstenmal aus der stillen Heimat, aus den Wäldern, wo er so lange gelebt, auszog; selbst nicht, als er an seine Mutter dachte, die jetzt wohl hülflos und im Elend saß, konnte er eine Träne aus dem Auge pressen oder nur seufzen: denn es war ihm alles so gleichgültig. »Ach freilich«, sagte er dann, »Tränen und Seufzer, Heimweh und Wehmut kommen ja aus dem Herzen, und Dank dem Holländer-Michel – das meine ist kalt und von Stein.«
Er legte seine Hand auf die Brust, und es war ganz ruhig dort, und rührte sich nichts. »Wenn er mit den Hunderttausenden so gut Wort hielt, wie mit dem Herz, so soll es mich freuen«, sprach er und fing an seinen Wagen zu untersuchen. Er fand Kleidungsstücke von aller Art, wie er sie nur wünschen konnte, aber kein Geld; endlich stieß er auf eine Tasche und fand viele tausend Taler in Gold und Scheinen, auf Handlungshäuser in allen großen Städten. Jetzt hab ich's, wie ich's wollte, dachte er, setzte sich bequem in die Ecke des Wagens, und fuhr in die weite Welt.
Er fuhr zwei Jahre in der Welt umher, und schaute aus seinem Wagen links und rechts an den Häusern hinauf, schaute, wenn er anhielt, nichts als den Schild seines Wirtshauses an, lief dann in der Stadt umher, und ließ sich die schönsten Merkwürdigkeiten zeigen; aber es freute ihn nichts, kein Bild, kein Haus, keine Musik, kein Tanz, sein Herz von Stein nahm an nichts Anteil und seine Augen, seine Ohren waren abgestumpft für alles Schöne. Nichts war ihm mehr geblieben, als die Freude an Essen und Trinken und der Schlaf, und so lebte er, indem er ohne Zweck durch die Welt reiste, zu seiner Unterhaltung speiste und aus Langerweile schlief. Hie und da erinnerte er sich zwar, daß er fröhlicher, glücklicher gewesen sei, als er noch arm war und arbeiten mußte, um sein Leben zu fristen. Da hatte ihn jede schöne Aussicht ins Tal, Musik und Gesang hatten ihn ergötzt, da hatte er sich stundenlang auf die einfache Kost, die ihm die Mutter zu dem Meiler bringen sollte, gefreut; wenn er so über die Vergangenheit nachdachte, so kam es ihm ganz sonderbar vor, daß er jetzt nicht einmal lachen konnte, und sonst hatte er über den kleinsten Scherz gelacht; wenn andere lachten, so verzog er nur aus Höflichkeit den Mund, aber sein Herz – lächelte nicht mit. Er fühlte dann, daß er zwar überaus ruhig sei – aber zufrieden fühlte er sich doch nicht. Es war nicht Heimweh oder Wehmut, sondern Öde, Überdruß, freudenloses Leben, was ihn endlich wieder zur Heimat trieb.
Als er von Straßburg herüberfuhr und den dunkeln Wald seiner Heimat erblickte, als er zum erstenmal wieder jene kräftigen Gestalten, jene freundlichen, treuen Gesichter der Schwarzwälder sah, als sein Ohr die heimatlichen Klänge, stark, tief, aber wohltönend vernahm, da fühlte er schnell an sein Herz, denn sein Blut wallte stärker, und er glaubte, er müsse sich freuen, und müsse weinen zugleich, aber – wie konnte er nur so töricht sein, er hatte ja ein Herz von Stein, und Steine sind tot und lächeln und weinen nicht.
Sein erster Gang war zum Holländer-Michel, der ihn mit alter Freundlichkeit aufnahm. »Michel«, sagte er zu ihm, »gereist bin ich nun, und habe alles gesehen, ist aber alles dummes Zeug und ich hatte nur Langeweile. Überhaupt, Euer steinernes Ding, das ich in der Brust trage, schützt mich zwar vor manchem; ich erzürne mich nie, bin nie traurig, aber ich freue mich auch nie, und es ist mir, als wenn ich nur halb lebte. Könnet Ihr das Steinherz nicht ein wenig beweglicher machen, oder – gebt mir lieber mein altes Herz; ich hatte mich in fünfundzwanzig Jahren daran gewöhnt, und wenn es zuweilen auch einen dummen Streich machte, so war es doch munter und ein fröhliches Herz.«
Der Waldgeist lachte grimmig und bitter: »Wenn du einmal tot bist, Peter Munk«, antwortete er, »dann soll es dir nicht fehlen, dann sollst du dein weiches, rührbares Herz wiederhaben und du kannst dann fühlen was kommt, Freud oder Leid; aber hier oben kann es nicht mehr dein werden! Doch, Peter! gereist bist du wohl, aber, so wie du lebtest, konnte es dich nichts nützen. Setze dich jetzt hier irgendwo im Wald, bau ein Haus, heirate, treibe dein Vermögen um, es hat dir nur an Arbeit gefehlt, weil du müßig warst hattest du Langeweile, und schiebst jetzt alles auf dieses unschuldige Herz.« Peter sah ein, daß Michel recht habe, was den Müßiggang beträfe, und nahm sich vor, reich und immer reicher zu werden; Michel schenkte ihm noch einmal hunderttausend Gulden und entließ ihn als seinen guten Freund.

Bald vernahm man im Schwarzwald die Märe, der Kohlen-Munk-Peter oder Spiel-Peter sei wieder da, und noch viel reicher, als zuvor. Es ging auch jetzt wie immer; als er am Bettelstab war, wurde er in der »Sonne« zur Türe hinausgeworfen, und als er jetzt an einem Sonntagnachmittag seinen ersten Einzug dort hielt, schüttelten sie ihm die Hand, lobten sein Pferd, fragten nach seiner Reise, und als er wieder mit dem dicken Ezechiel um harte Taler spielte, stand er in der Achtung so hoch, als je. Er trieb jetzt aber nicht mehr das Glashandwerk, sondern den Holzhandel, aber nur zum Schein. Sein Hauptgeschäft war mit Korn und Geld zu handeln. Der halbe Schwarzwald wurde ihm nach und nach schuldig, aber er lieh Geld nur auf zehen Prozente aus, oder verkaufte Korn an die Armen, die nicht gleich zahlen konnten, um den dreifachen Wert. Mit dem Amtmann stand er jetzt in enger Freundschaft, und wenn einer Herrn Peter Munk nicht auf den Tag bezahlte, so ritt der Amtmann mit seinen Schergen heraus, schätzte Haus und Hof, verkaufte es flugs, und trieb Vater, Mutter und Kind in den Wald. Anfangs machte dies dem reichen Peter einige Unlust, denn die armen Ausgepfändeten belagerten dann haufenweise seine Türe, die Männer flehten um Nachsicht, die Weiber suchten das steinerne Herz zu erweichen und die Kinder winselten um ein Stücklein Brot; aber als er sich ein paar tüchtige Fleischerhunde angeschafft hatte, hörte diese Katzenmusik, wie er es nannte, bald auf; er pfiff und hetzte, und die Bettelleute flogen schreiend auseinander. Am meisten Beschwerde machte ihm das »alte Weib«. Das war aber niemand anders als Frau Munkin, Peters Mutter. Sie war in Not und Elend geraten, als man ihr Haus und Hof verkauft hatte, und ihr Sohn, als er reich zurückgekehrt war, hatte nicht mehr nach ihr umgesehen; da kam sie nun zuweilen, alt, schwach und gebrechlich an einem Stock vor das Haus; hinein wagte sie sich nimmer, denn er hatte sie einmal weggejagt, aber es tat ihr wehe, von den Guttaten anderer Menschen leben zu müssen, da der eigene Sohn ihr ein sorgenloses Alter hätte bereiten können. Aber das kalte Herz wurde nimmer gerührt von dem Anblicke der bleichen, wohlbekannten Züge, von den bittenden Blicken, von der welken, ausgestreckten Hand, von der hinfälligen Gestalt; mürrisch zog er, wenn sie sonnabends an die Türe pochte, einen Sechsbätzner heraus, schlug ihn in ein Papier und ließ ihn hinausreichen durch einen Knecht. Er vernahm ihre zitternde Stimme, wenn sie dankte und wünschte, es möge ihm wohlgehen auf Erden, er hörte sie hüstelnd von der Türe schleichen, aber er dachte weiter nicht mehr daran, als daß er wieder sechs Batzen umsonst ausgegeben.
Endlich kam Peter auch auf den Gedanken zu heuraten. Er wußte, daß im ganzen Schwarzwald jeder Vater ihm gerne seine Tochter geben werde; aber er war schwierig in seiner Wahl, denn er wollte, daß man auch hierin sein Glück und seinen Verstand preisen sollte; daher ritt er umher, im ganzen Wald, schaute hier, schaute dort, und keine der schönen Schwarzwälderinnen deuchte ihm schön genug. Endlich, nachdem er auf allen Tanzböden umsonst nach der Schönsten ausgeschaut hatte, hörte er eines Tages, die Schönste und Tugendsamste im ganzen Wald sei eines armen Holzhauers Tochter. Sie lebe still und für sich, besorge geschickt und emsig ihres Vaters Haus, und lasse sich nie auf dem Tanzboden sehen, nicht einmal zu Pfingsten oder Kirmes. Als Peter von diesem Wunder des Schwarzwalds hörte, beschloß er, um sie zu werben, und ritt nach der Hütte, die man ihm bezeichnet hatte. Der Vater der schönen Lisbeth empfing den vornehmen Herrn mit Staunen, und er staunte noch mehr, als er hörte, es sei dies der reiche Herr Peter und er wolle sein Schwiegersohn werden. Er besann sich auch nicht lange, denn er meinte, all seine Sorge und Armut werde nun ein Ende haben, sagte zu, ohne die schöne Lisbeth zu fragen, und das gute Kind war so folgsam, daß sie ohne Widerrede Frau Peter Munkin wurde.
Aber es wurde der Armen nicht so gut, als sie sich geträumt hatte. Sie glaubte ihr Hauswesen wohl zu verstehen, aber sie konnte Herrn Peter nichts zu Dank machen, sie hatte Mitleiden mit armen Leuten, und da ihr Eheherr reich war, dachte sie, es sei keine Sünde, einem armen Bettelweib einen Pfennig, oder einem alten Mann einen Schnaps zu reichen, aber als Herr Peter dies eines Tages merkte, sprach er mit zürnenden Blicken und rauher Stimme:
»Warum verschleuderst du mein Vermögen an Lumpen und Straßenläufer? Hast du was mitgebracht ins Haus, das du wegschenken könntest? Mit deines Vaters Bettelstab kann man keine Suppe wärmen, und wirfst das Geld aus, wie eine Fürstin? Noch einmal laß dich betreten, so sollst du meine Hand fühlen!« Die schöne Lisbeth weinte in ihrer Kammer über den harten Sinn ihres Mannes, und sie wünschte oft lieber heim zu sein, in ihres Vaters ärmlicher Hütte, als bei dem reichen, aber geizigen, hartherzigen Peter zu hausen. Ach, hätte sie gewußt, daß er ein Herz von Marmor habe, und weder sie noch irgendeinen Menschen lieben könnte, so hätte sie sich wohl nicht gewundert. Sooft sie aber jetzt unter der Türe saß, und es ging ein Bettelmann vorüber, und zog den Hut, und hub an seinen Spruch, so drückte sie die Augen zu, das Elend nicht zu schauen, sie ballte die Hand fester, damit sie nicht unwillkürlich in die Tasche fahre, ein Kreuzerlein herauszulangen. So kam es, daß die schöne Lisbeth im ganzen Wald verschrieen wurde, und es hieß, sie sei noch geiziger als Peter Munk. Aber eines Tages saß Frau Lisbeth wieder vor dem Haus und spann und murmelte ein Liedchen dazu; denn sie war munter, weil es schön Wetter und Herr Peter ausgeritten war über Feld. Da kömmt ein altes Männlein des Weges daher, der trägt einen großen, schweren Sack, und sie hört ihn schon von weitem keuchen. Teilnehmend sieht ihm Frau Lisbeth zu und denkt, einem so alten kleinen Mann sollte man nicht mehr so schwer aufladen.
Indes keucht und wankt das Männlein heran, und als es gegenüber von Frau Lisbeth war, brach es unter dem Sack beinahe zusammen. »Ach habt die Barmherzigkeit, Frau, und reichet mir nur einen Trunk Wasser«, sprach das Männlein, »ich kann nicht weiter, muß elend verschmachten.«
»Aber Ihr solltet in Eurem Alter nicht mehr so schwer tragen«, sagte Frau Lisbeth.
»Ja, wenn ich nicht Boten gehen müßte, der Armut halber und um mein Leben zu fristen«, antwortete er, »ach so eine reiche Frau, wie Ihr, weiß nicht, wie wehe Armut tut, und wie wohl ein frischer Trunk bei solcher Hitze.«
Als sie dies hörte, eilte sie ins Haus, nahm einen Krug vom Gesims und füllte ihn mit Wasser; doch als sie zurückkehrte, und nur noch wenige Schritte von ihm war, und das Männlein sah, wie es so elend und verkümmert auf dem Sack saß, da fühlte sie inniges Mitleid, bedachte, daß ja ihr Mann nicht zu Hause sei, und so stellte sie den Wasserkrug beiseite, nahm einen Becher und füllte ihn mit Wein, legte ein gutes Roggenbrot darauf, und brachte es dem Alten. »So, und ein Schluck Wein mag Euch besser frommen, als Wasser, da Ihr schon so gar alt seid«, sprach sie, »aber trinket nicht zu hastig, und esset auch Brot dazu.«
Das alte Männlein sah sie staunend an, bis große Tränen in seinen alten Augen standen, er trank und sprach dann:
»Ich bin alt geworden, aber ich hab wenige Menschen gesehen, die so mitleidig wären, und ihre Gaben so schön und herzig zu spenden wußten, wie Ihr, Frau Lisbeth. Aber es wird Euch dafür auch recht wohl gehen auf Erden; solch ein Herz bleibt nicht unbelohnt.«
»Nein und den Lohn soll sie zur Stelle haben«, schrie eine schreckliche Stimme, und als sie sich umsahen, war es Herr Peter mit blutrotem Gesicht.
»Und sogar meinen Ehrenwein gießest du aus an Bettelleute und meinen Mundbecher gibst du an die Lippen der Straßenläufer? Da, nimm deinen Lohn!« Frau Lisbeth stürzte zu seinen Füßen, und bat um Verzeihung, aber das steinerne Herz kannte kein Mitleid, er drehte die Peitsche um, die er in der Hand hielt, und schlug sie mit dem Handgriff von Ebenholz so heftig vor die schöne Stirne, daß sie leblos dem alten Mann in die Arme sank. Als er dies sah, war es doch als reuete ihn die Tat auf der Stelle; er bückte sich herab zu schauen, ob noch Leben in ihr sei, aber das Männlein sprach mit wohlbekannter Stimme: »Gib dir keine Mühe, Kohlen-Peter; es war die schönste und lieblichste Blume im Schwarzwald, aber du hast sie zertreten und nie mehr wird sie wieder blühen.«
Da wich alles Blut aus Peters Wangen und er sprach: »Also Ihr seid es, Herr Schatzhauser? Nun, was geschehen ist, ist geschehen, und es hat wohl so kommen müssen. Ich hoffe aber, Ihr werdet mich nicht bei dem Gericht anzeigen als Mörder.«
»Elender!« erwiderte das Glasmännlein. »Was würde es mir frommen, wenn ich deine sterbliche Hülle an den Galgen brächte? Nicht irdische Gerichte sind es, die du zu fürchten hast, sondern andere und strengere; denn du hast deine Seele an den Bösen verkauft.«
»Und hab ich mein Herz verkauft«, schrie Peter, »so ist niemand daran schuld, als du, und deine betrügerische Schätze; du tückischer Geist hast mich ins Verderben geführt, mich getrieben  daß ich bei einem andern Hülfe suchte, und auf dir liegt die ganze Verantwortung.« Aber kaum hatte er dies gesagt, so wuchs und schwoll das Glasmännlein und wurde hoch und breit, und seine Augen sollen so groß gewesen sein, wie Suppenteller und sein Mund war wie ein geheizter Backofen und Flammen blitzten daraus hervor. Peter warf sich auf die Knie, und sein steinernes Herz schützte ihn nicht, daß nicht seine Glieder zitterten, wie eine Espe. Mit Geierskrallen packte ihn der Waldgeist im Nacken, drehte ihn um, wie ein Wirbelwind dürres Laub, und warf ihn dann zu Boden, daß ihm alle Rippen knackten. »Erdenwurm!« rief er mit einer Stimme, die wie der Donner rollte, »ich könnte dich zerschmettern, wenn ich wollte, denn du hast gegen den Herrn des Waldes gefrevelt. Aber um dieses toten Weibes willen, die mich gespeist und getränkt hat, gebe ich dir acht Tage Frist; bekehrst du dich zum nicht Guten, so komme ich und zermalme dein Gebein und du fahrst hin in deinen Sünden.«

Es war schon Abend, als einige Männer, die vorbeigingen, den reichen Peter Munk an der Erde liegen sahen. Sie wandten ihn hin und her, und suchten, ob noch Atem in ihm sei, aber lange war ihr Suchen vergebens. Endlich ging einer in das Haus und brachte Wasser herbei, und besprengte ihn. Da holte Peter tief Atem, stöhnte und schlug die Augen auf, schaute lange um sich her, und fragte dann nach Frau Lisbeth, aber keiner hatte sie gesehen. Er dankte den Männern für ihre Hülfe, schlich in sein Haus und schaute sich um, aber Frau Lisbeth war weder im Keller noch auf dem Boden, und das was er für einen schrecklichen Traum gehalten, war bittere Wahrheit. Wie er nun so ganz allein war, da kamen ihm sonderbare Gedanken; er fürchtete sich vor nichts, denn sein Herz war ja kalt, aber wenn er an den Tod seiner Frau dachte – kam ihm sein eigenes Hinscheiden in den Sinn, und wie belastet er dahinfahren werde, schwer belastet mit Tränen der Armen, mit tausend ihrer Flüche, die sein Herz nicht erweichen konnten, mit dem Jammer der Elenden, auf die er seinen Hund gehetzt, belastet mit der stillen Verzweiflung seiner Mutter, mit dem Blut der schönen, guten Lisbeth; und konnte er doch nicht einmal dem alten Mann, ihrem Vater Rechenschaft geben, wann er käme und fragte: »Wo ist meine Tochter, dein Weib?« Wie wollte er einem andern Frage stehen, dem alle Wälder, alle Seen, alle Berge gehören, und – die Leben der Menschen?
[314] Es quält ihn auch nachts im Traume, und alle Augenblicke wachte er auf an einer süßen Stimme, die ihm zurief: »Peter, schaff dir ein wärmeres Herz!« und wenn er erwacht war, schloß er doch schnell wieder die Augen, denn der Stimme nach mußte es Frau Lisbeth sein, die ihm diese Warnung zurief. Den andern Tag ging er ins Wirtshaus, um seine Gedanken zu zerstreuen und dort traf er den dicken Ezechiel. Er setzte sich zu ihm, sie sprachen dies und jenes, vom schönen Wetter, vom Krieg, von den Steuern und endlich auch vom Tod, und wie da und dort einer so schnell gestorben sei. Da fragte Peter den Dicken, was er denn vom Tod halte, und wie es nachher sein werde? Ezechiel antwortete ihm, daß man den Leib begrabe, die Seele aber fahre entweder auf zum Himmel oder hinab in die Hölle.
»Also begrabt man das Herz auch?« fragte Peter gespannt.
»Ei freilich, das wird auch begraben.«
»Wenn aber einer sein Herz nicht mehr hat?« fuhr Peter fort.
Ezechiel sah ihn bei diesen Worten schrecklich an: »Was willst du damit sagen? willst du mich foppen? Meinst du, ich habe kein Herz?«
»Oh, Herz genug, so fest wie Stein«, erwiderte Peter.
Ezechiel sah ihn verwundert an; schaute sich um, ob es niemand gehört habe, und sprach dann: »Woher weißt du es? Oder pocht vielleicht das deinige auch nicht mehr!«
»Pocht nicht mehr wenigstens nicht hier in meiner Brust«, antwortete Peter Munk. »Aber sag mir, da du jetzt weißt, was ich meine, wie wird es gehen mit unseren Herzen?«
»Was kümmert dich dies Gesell!?« fragte Ezechiel lachend. »Hast ja auf Erden vollauf zu leben und damit genug. Das ist ja gerade das Bequeme in unsern kalten Herzen, daß uns keine Furcht befällt, vor solchen Gedanken.«
»Wohl wahr, aber man denkt doch daran, und wenn ich auch jetzt keine Furcht mehr kenne, so weiß ich doch wohl noch, wie sehr ich mich vor der Hölle gefürchtet, als ich noch ein kleiner unschuldiger Knabe war.«
»Nun – gut wird es uns gerade nicht gehen«, sagte Ezechiel. »Hab mal einen Schulmeister darüber befragt, der sagte mir, daß nach dem Tod die Herzen gewogen werden, wie schwer sie sich versündiget hätten. Die leichten steigen auf, die schweren sinken hinab, und ich denke, unsere Steine werden ein gutes Gewicht haben.«
»Ach freilich«, erwiderte Peter, »und es ist mir oft selbst unbequem, daß mein Herz so teilnahmslos und ganz gleichgültig ist, wenn ich an solche Dinge denke.«
So sprachen sie; aber in der nächsten Nacht hörte er fünf- oder sechsmal die bekannte Stimme in sein Ohr lispeln: »Peter, schaff dir ein wärmeres Herz!« Er empfand keine Reue, daß er sie getötet, aber wenn er dem Gesinde sagte, seine Frau sei verreist, so dachte er immer dabei, wohin mag sie wohl gereist sein? Sechs Tage hatte er es so getrieben, und immer hörte er nachts diese Stimme und immer dachte er an den Waldgeist und seine schreckliche Drohung; aber am siebenten Morgen sprang er auf von seinem Lager, und rief: »Nun ja, will sehen, ob ich mir ein wärmeres schaffen kann, denn der gleichgültige Stein in meiner Brust macht mir das Leben nur langweilig und öde.« Er zog schnell seinen Sonntagsstaat an, und setzte sich auf sein Pferd und ritt dem Tannenbühl zu.
Im Tannenbühl, wo die Bäume dichter standen, saß er ab, band sein Pferd an, und ging schnellen Schrittes dem Gipfel des Hügels zu, und als er vor der dicken Tanne stand, hub er seinen Spruch an:
»Schatzhauser im grünen Tannenwald
Bist viele hundert Jahre alt
Dein ist all' Land, wo Tannen stehen,
Läßt dich nur Sonntagskindern sehen.«
Da kam das Glasmännlein hervor, aber nicht freundlich und traulich, wie sonst, sondern düster und traurig; es hatte ein Röcklein an von schwarzem Glas und ein langer Trauerflor flatterte herab vom Hut und Peter wußte wohl, um wen es traure.
»Was willst du von mir, Peter Munk?« fragte es mit dumpfer Stimme.
»Ich hab noch einen Wunsch, Herr Schatzhauser«, antwortete Peter, mit niedergeschlagenen Augen.
»Können Steinherzen noch wünschen?« sagte jener; »du hast alles, was du für deinen schlechten Sinn bedarfst, und ich werde schwerlich deinen Wunsch erfüllen.«
»Aber Ihr habt mir doch drei Wünsche zugesagt; einen hab ich immer noch übrig.«
»Doch kann ich ihn versagen, wenn er töricht ist«, fuhr der Waldgeist fort; »aber wohlan, ich will hören, was du willst?«
»So nehmet mir den toten Stein heraus und gebet mir mein lebendiges Herz«, sprach Peter.
»Hab ich den Handel mit dir gemacht?« fragte das Glasmännlein; »bin ich der Holländer-Michel, der Reichtum und kalte Herzen schenkt? Dort, bei ihm mußt du dein Herz suchen!«
»Ach, er gibt es nimmer zurück«, antwortete Peter.
»Du dauerst mich, so schlecht du auch bist«, sprach das Männlein nach einigem Nachdenken. »Aber weil dein Wunsch nicht töricht ist, so kann ich dir wenigstens meine Hülfe nicht abschlagen. So höre. Dein Herz kannst du mit keiner Gewalt mehr bekommen, wohl aber durch List, und es wird vielleicht nicht schwer halten; denn Michel bleibt doch nur der dumme Michel, obgleich er sich ungemein klug dünkt. So gehe denn geraden Weges zu ihm hin, und tue, wie ich dir heiße.« Und nun unterrichtete er ihn in allem, und gab ihm ein Kreuzlein aus reinem Glas: »Am Leben kann er dir nicht schaden, und er wird dich freilassen, wenn du ihm dies vorhalten und dazu beten wirst. Und hast du denn, was du verlangt hast, erhalten, so komm wieder zu mir an diesen Ort.«
Peter Munk nahm das Kreuzlein, prägte sich alle Worte ins Gedächtnis, und ging weiter nach Holländer-Michels Behausung. Er rief dreimal seinen Namen und alsobald stand der Riese vor ihm. »Du hast dein Weib erschlagen?« fragte er ihn, mit schrecklichem Lachen, »hätt es auch so gemacht, sie hat dein Vermögen an das Bettelvolk gebracht. Aber du wirst auf einige Zeit außer Landes gehen müssen, denn es wird Lärm machen, wenn man sie nicht findet; und du brauchst wohl Geld, und kommst, um es zu holen?«
»Du hast's erraten«, erwiderte Peter, »und nur recht viel diesmal, denn nach Amerika ist's weit.«
Michel ging voran, und brachte ihn in seine Hütte, dort schloß er eine Truhe auf, worin viel Geld lag und langte ganze Rollen Gold heraus. Während er es so auf den Tisch hinzählte, sprach Peter: »Du bist doch ein loser Vogel, Michel, daß du mich belogen hast, ich hätte einen Stein in der Brust, und du habest mein Herz!«
»Und ist es denn nicht so?« fragte Michel staunend; »fühlst du denn dein Herz? ist es nicht kalt, wie Eis? Hast du Furcht oder Gram, kann dich etwas reuen?«
»Du hast mein Herz nur stillestehen lassen, aber ich hab es noch wie sonst in meiner Brust und Ezechiel auch, der hat es mir  gesagt, daß du uns angelogen hast; du bist nicht der Mann dazu, der einem das Herz so unbemerkt und ohne Gefahr aus der Brust reißen könnte! da müßtest du zaubern können.«
»Aber ich versichere dich«, rief Michel unmutig, »du und Ezechiel und alle reichen Leute, die es mit mir gehalten, haben solche kalte Herzen wie du, und ihre rechten Herzen habe ich hier in meiner Kammer.«
»Ei, wie dir das Lügen von der Zunge geht!« lachte Peter. »Das mach du einem andern weis. Meinst du, ich hab auf meinen Reisen nicht solche Kunststücke zu Dutzenden gesehen? Aus Wachs nachgeahmt sind deine Herzen hier in der Kammer. Du bist ein reicher Kerl, das geb ich zu; aber zaubern kannst du nicht.«
Da ergrimmte der Riese, und riß die Kammertüre auf. »Komm herein, und lies die Zettel alle und jenes dort, schau, das ist Peter Munks Herz; siehst du, wie es zuckt? kann man das auch aus Wachs machen?«
»Und doch ist es aus Wachs«, antwortete Peter. »So schlägt ein rechtes Herz nicht, ich habe das meinige noch in der Brust. Nein, zaubern kannst du nicht!«
»Aber ich will es dir beweisen!« rief jener ärgerlich; »du sollst es selbst fühlen, daß dies dein Herz ist.« Er nahm es, riß Peters Wams auf, und nahm einen Stein aus seiner Brust, und zeigte ihn vor. Dann nahm er das Herz, hauchte es an, und setzte es behutsam an seine Stelle und alsobald fühlte Peter, wie es pochte, und er konnte sich wieder darüber freuen.
»Wie ist es dir jetzt?« fragte Michel lächelnd.
»Wahrhaftig, du hast doch recht gehabt«, antwortete Peter, indem er behutsam sein Kreuzlein aus der Tasche zog. »Hätt ich doch nicht geglaubt, daß man dergleichen tun könne!«
»Nicht wahr? und zaubern kann ich, das siehst du; aber komm, jetzt will ich dir den Stein wieder hineinsetzen.«
»Gemach, Herr Michel!« rief Peter, trat einen Schritt zurück, und hielt ihm das Kreuzlein entgegen. »Mit Speck fängt man Mäuse und diesmal bist du der Betrogene.« Und zugleich fing er an zu beten, was ihm nur beifiel.
Da wurde Michel kleiner und immer kleiner, fiel nieder und wand sich hin und her wie ein Wurm und ächzte und stöhnte, und alle Herzen umher fingen an zu zucken und zu pochen, daß es tönte, wie in der Werkstatt eines Uhrenmachers. Peter aber fürchtete sich, es wurde ihm ganz unheimlich zumut, er rannte[318] zur Kammer und zum Haus hinaus, und klimmte, von Angst getrieben, die Felsenwand hinan; denn er hörte, daß Michel sich aufraffte, stampfte und tobte, und ihm schreckliche Flüche nachschickte. Als er oben war, lief er dem Tannenbühl zu; ein schreckliches Wetter zog auf, Blitze fielen links und rechts an ihm nieder, und zerschmetterten die Bäume, aber er kam wohlbehalten in dem Revier des Glasmännleins an.
Sein Herz pochte freudig, und nur darum, weil es pochte. Dann aber sah er mit Entsetzen auf sein Leben zurück, wie auf das Gewitter, das hinter ihm rechts und links den schönen Wald zersplitterte. Er dachte an Frau Lisbeth, sein schönes, gutes Weib, das er aus Geiz gemordet, er kam sich selbst wie der Auswurf der Menschen vor, und er weinte heftig, als er an Glasmännleins Hügel kam.
Schatzhauser saß schon unter dem Tannenbaum und rauchte aus seiner kleinen Pfeife, doch sah er munterer aus, als zuvor. »Warum weinst du, Kohlen-Peter?« fragte er, »hast du dein Herz nicht erhalten? liegt noch das kalte in deiner Brust?«
»Ach Herr!« seufzte Peter; »als ich noch das kalte Steinherz trug, da weinte ich nie, meine Augen waren so trocken, als das Land im Juli; jetzt aber will es mir beinahe das alte Herz zerbrechen, was ich getan! Meine Schuldner hab ich ins Elend gejagt, auf Arme und Kranke die Hunde gehetzt, und, Ihr wißt es ja selbst – wie meine Peitsche auf ihre schöne Stirne fiel!«
»Peter! Du warst ein großer Sünder!« sprach das Männlein. »Das Geld und der Müßiggang haben dich verderbt, bis dein Herz zu Stein wurde, nicht Freud, nicht Leid, keine Reue, kein Mitleid mehr kannte. Aber Reue versöhnt, und wenn ich nur wüßte, daß dir dein Leben recht leid tut, so könnte ich schon noch was für dich tun.«
»Will nichts mehr«, antwortete Peter und ließ traurig sein Haupt sinken. »Mit mir ist es aus; kann mich mein Lebtag nicht mehr freuen; was soll ich so allein auf der Welt tun? Meine Mutter verzeiht mir nimmer, was ich ihr getan und vielleicht hab ich sie unter den Boden gebracht, ich Ungeheuer! Und Lisbeth, meine Frau! Schlaget mich lieber auch tot, Herr Schatzhauser, dann hat mein elend Leben mit einmal ein Ende.«
»Gut«, erwiderte das Männlein, »wenn du nicht an ders willst, so kannst du es haben; meine Axt hab ich bei der Hand.« Er nahm ganz ruhig sein Pfeiflein aus dem Mund, klopfte es aus und steckte es ein. Dann stand er langsam auf und ging hinter [319] die Tannen. Peter aber setzte sich weinend ins Gras, sein Leben war ihm nichts mehr und er erwartete geduldig den Todesstreich. Nach einiger Zeit hörte er leise Tritte hinter sich und dachte: jetzt wird er kommen.
»Schau dich noch einmal um, Peter Munk!« rief das Männlein. Er wischte sich die Tränen aus den Augen, und schaute sich um, und sah – seine Mutter und Lisbeth seine Frau, die ihn freundlich anblickten. Da sprang er freudig auf: »So bist du nicht tot, Lisbeth; und auch Ihr seid da, Mutter und habt mir vergeben?«

»Sie wollen dir verzeihen«, sprach das Glasmännlein, »weil du wahre Reue fühlst und alles soll vergessen sein. Zieh jetzt heim in deines Vaters Hütte, und sei ein Köhler wie zuvor; bist du brav und bieder, so wirst du dein Handwerk ehren und deine Nachbarn werden dich mehr lieben und achten, als wenn du zehen Tonnen Goldes hättest.« So sprach das Glasmännlein und nahm Abschied von ihnen.
Die drei lobten und segneten ihn und gingen heim.
Das prachtvolle Haus des reichen Peters stand nicht mehr; der Blitz hatte es angezündet und mit all seinen Schätzen niedergebrannt; aber nach der väterlichen Hütte war es nicht weit; dorthin ging jetzt ihr Weg und der große Verlust bekümmerte sie nicht.
Aber wie staunten sie, als sie an die Hütte kamen! Sie war zu einem schönen Bauernhaus geworden, und alles darin war einfach, aber gut und reinlich.
»Das hat das gute Glasmännlein getan!« rief Peter.
»Wie schön!« sagte Frau Lisbeth, »und hier ist mir viel heimischer, als in dem großen Haus mit dem vielen Gesinde.«
Von jetzt an wurde Peter Munk ein fleißiger und wackerer Mann. Er war zufrieden mit dem, was er hatte, trieb sein Handwerk unverdrossen und so kam es, daß er durch eigene Kraft wohlhabend wurde, und angesehen und beliebt im ganzen Wald. Er zankte nie mehr mit Frau Lisbeth, ehrte seine Mutter und gab den Armen, die an seine Türe pochten. Als nach Jahr und Tag Frau Lisbeth von einem schönen Knaben genas, ging Peter nach dem Tannenbühl und sagte sein Sprüchlein. Aber das Glasmännlein zeigte sich nicht. »Herr Schatzhauser«, rief er laut, »hört mich doch; ich will ja nichts anderes, als Euch zu Gevatter bitten bei meinem Söhnlein!« Aber er gab keine Antwort; nur ein kurzer Windstoß sauste durch die Tannen, und warf einige [320] Tannzapfen herab ins Gras. »So will ich dies zum Andenken mitnehmen, weil Ihr Euch doch nicht sehen lassen wollet«, rief Peter, steckte die Zapfen in die Tasche, und ging nach Hause; aber als er zu Hause das Sonntagswams auszog, und seine Mutter die Taschen umwandte, und das Wams in den Kasten legen wollte, da fielen vier stattliche Geldrollen heraus, und als man sie öffnete, waren es lauter gute, neue badische Taler, und kein einziger falscher darunter. Und das war das Patengeschenk des Männleins im Tannenwald für den kleinen Peter.
So lebten sie still und unverdrossen fort, und noch oft nachher, als Peter Munk schon graue Haare hatte, sagte er: »Es ist doch besser zufrieden sein mit wenigem, als Gold und Güter haben, und ein kaltes Herz.«
Es mochten schon etwa fünf Tage vergangen sein, während Felix, der Jäger und der Student noch immer unter den Räubern gefangen saßen. Sie wurden zwar von dem Hauptmann und seinen Untergebenen gut behandelt, aber dennoch sehnten sie sich nach Befreiung, denn je mehr die Zeit fortrückte, desto höher stieg auch ihre Angst vor Entdeckung. Am Abend des fünften Tages erklärte der Jäger seinen Leidensgenossen, daß er entschlossen sei, in dieser Nacht loszubrechen, und wenn es ihn auch das Leben kosten sollte. Er munterte seine Gefährten zum gleichen Entschluß auf, und zeigte ihnen, wie sie ihre Flucht ins Werk setzen könnten. »Den, der uns zunächst steht, nehme ich auf mich; es ist Notwehr, und Not kennt kein Gebot, er muß sterben.«
»Sterben?« rief Felix entsetzt; »Ihr wollt ihn totschlagen?«
»Das bin ich fest entschlossen, wenn es darauf ankommt, zwei Menschenleben zu retten. Wisset, daß ich die Räuber mit besorglicher Miene habe flüstern hören, im Wald werde nach ihnen gestreift, und die alten Weiber verrieten in ihrem Zorn die böse Absicht der Bande, sie schimpften auf uns und gaben zu verstehen, wenn die Räuber angegriffen würden, so müssen wir ohne Gnade sterben.«
»Gott im Himmel!« rief der Jüngling entsetzt, und verbarg sein Gesicht in die Hände.
»Noch haben sie uns das Messer nicht an die Kehle gesetzt«, fuhr der Jäger fort; »drum laßt uns ihnen zuvorkommen. Wenn es dunkel ist, schleiche ich auf die nächste Wache zu; sie wird anrufen: ich werde ihm zuflüstern, die Gräfin sei plötzlich sehr  krank geworden, und indem er sich umsieht, stoße ich ihn nieder. Dann hole ich Euch ab, junger Mann, und der zweite kann uns ebensowenig entgehen; und beim dritten haben wir zu zwei leichtes Spiel.« –
Der Jäger sah bei diesen Worten so schrecklich aus, daß Felix sich vor ihm fürchtete. Er wollte ihn bereden, von diesem blutigen Gedanken abzustehen, als die Türe der Hütte leise aufging und schnell eine Gestalt hereinschlüpfte. Es war der Hauptmann. Behutsam schloß er wieder zu, und winkte den beiden Gefangenen, sich ruhig zu verhalten. Er setzte sich neben Felix nieder und sprach:
»Frau Gräfin, Ihr seid in einer schlimmen Lage. Euer Herr Gemahl hat nicht Wort gehalten, er hat nicht nur das Lösegeld nicht geschickt, sondern er hat auch die Regierungen umher aufgeboten, bewaffnete Mannschaft streift von allen Seiten durch den Wald, um mich und meine Leute aufzuheben. Ich habe Eurem Gemahl gedroht, Euch zu töten, wenn er Miene mache, uns anzugreifen; doch es muß ihm entweder an Eurem Leben wenig liegen, oder er traut unsern Schwüren nicht. Euer Leben ist in unserer Hand, ist nach unsern Gesetzen verwirkt. Was wollet Ihr dagegen einwenden?«
Bestürzt sahen die Gefangenen vor sich nieder, sie wußten nicht zu antworten, denn Felix erkannte wohl, daß ihn das Geständnis über seine Verkleidung nur noch mehr in Gefahr setzen könnte.
»Es ist mir unmöglich«, fuhr der Hauptmann fort, »eine Dame, die meine vollkommene Achtung hat, also in Gefahr zu setzen. Darum will ich Euch einen Vorschlag zur Rettung machen, es ist der einzige Ausweg, der Euch übrigbleibt: Ich will mit Euch entfliehen.«
Erstaunt, überrascht blickten ihn beide an; er aber sprach weiter: »Die Mehrzahl meiner Gesellen ist ent schlossen, sich nach Italien zu ziehen und unter einer weitverbreiteten Bande Dienste zu nehmen. Mir für meinen Teil behagt es nicht, unter einem andern zu dienen, und darum werde ich keine gemeinschaftliche Sache mit ihnen machen. Wenn Ihr mir nun Euer Wort geben wolltet, Frau Gräfin, für mich gutzusprechen, Eure mächtigen Verbindungen zu meinem Schutze anzuwenden, so kann ich Euch noch frei machen, ehe es zu spät ist.«
Felix schwieg verlegen; sein redliches Herz sträubte sich, den Mann, der ihm das Leben retten wollte, geflissentlich einer Gefahr auszusetzen, vor welcher er ihn nachher nicht schützen könnte. Als er noch immer schwieg, fuhr der Hauptmann fort: »Man sucht gegenwärtig überall Soldaten; ich will mit dem geringsten Dienst zufrieden sein. Ich weiß, daß Ihr viel vermöget, aber ich will ja nichts weiter, als Euer Versprechen, etwas für mich in dieser Sache zu tun.«
»Nun denn«, antwortete Felix mit niedergeschlagenen Augen, »ich verspreche Euch, was ich tun kann, was in meinen Kräften steht, anzuwenden, um Euch nützlich zu sein. Liegt doch, wie es Euch auch ergehe, ein Trost für mich darin, daß Ihr diesem Räuberleben Euch selbst und freiwillig entzogen habt.«
Gerührt küßte der Hauptmann die Hand dieser gütigen Dame, flüsterte ihr noch zu, sich zwei Stunden nach Anbruch der Nacht bereit zu halten, und verließ dann, ebenso vorsichtig, wie er gekommen war, die Hütte. Die Gefangenen atmeten freier, als er hinweggegangen war. »Wahrlich!« rief der Jäger, »dem hat Gott das Herz gelenkt! wie wunderbar sollen wir errettet werden! Hätte ich mir träumen lassen, daß in der Welt noch etwas dergleichen geschehen könnte, und daß mir ein solches Abenteuer begegnen sollte?«
»Wunderbar, allerdings!« erwiderte Felix, »aber habe ich auch recht getan, diesen Mann zu betrügen? Was kann ihm mein Schutz frommen? saget selbst Jäger, heißt es ihn nicht an den Galgen locken, wenn ich ihm nicht gestehe, wer ich bin?«
»Ei, wie mögt Ihr solche Skrupel haben, lieber Junge!« entgegnete der Student, »nachdem Ihr Eure Rolle so meisterhaft gespielt! Nein, darüber dürft Ihr Euch nicht ängstigen, das ist nichts anderes, als erlaubte Notwehr. Hat er doch den Frevel begangen, eine angesehene Frau schändlicherweise von der Straße entführen zu wollen, und wäret Ihr nicht gewesen, wer weiß, wie es um das Leben der Gräfin stünde. Nein, Ihr habt nicht unrecht getan; übrigens glaube ich, er wird bei den Gerichten sich einen Stein im Brett gewinnen, wenn er, das Haupt dieses Gesindels, sich selbst ausliefert.«

Dieser letztere Gedanke tröstete den jungen Goldschmidt. Freudig bewegt und doch wieder voll banger Besorgnis über das Gelingen des Planes durchlebten sie die nächsten Stunden. Es war schon dunkel, als der Hauptmann auf einen Augenblick in die Hütte trat, einen Bündel Kleider niederlegte und sprach: »Frau Gräfin, um unsere Flucht zu erleichtern, müßt Ihr notwendig diese Männerkleidung anlegen. Machet Euch fertig. In einer [323] Stunde treten wir den Marsch an.« Nach diesen Worten verließ er die Gefangenen und der Jäger hatte Mühe, nicht laut zu lachen. »Das wäre nun die zweite Verkleidung«, rief er, »und ich wollte schwören, diese steht Euch noch besser, als die erste!«
Sie öffneten den Bündel und fanden ein hübsches Jagdkleid mit allem Zubehör, das Felix trefflich paßte. Nachdem er sich gerüstet, wollte der Jäger die Kleider der Gräfin in einen Winkel der Hütte werfen, Felix gab es aber nicht zu; er legte sie zu einem kleinen Bündel zusammen, und äußerte, er wolle die Gräfin bitten, sie ihm zu schenken, und sie dann sein ganzes Leben hindurch zum Andenken an diese merkwürdigen Tage aufbewahren.
Endlich kam der Hauptmann. Er war vollständig bewaffnet und brachte dem Jäger die Büchse, die man ihm abgenommen, und ein Pulverhorn. Auch dem Studenten gab er eine Flinte, und Felix reichte er einen Hirschfänger, mit der Bitte, ihn auf den Fall der Not umzuhängen. Es war ein Glück für die drei, daß es sehr dunkel war, denn leicht hätten die leuchtenden Blicke, womit Felix diese Waffe empfing, dem Räuber seinen wahren Stand verraten können. Als sie behutsam aus der Hütte getreten waren, bemerkte der Jäger, daß der gewöhnliche Posten an der Hütte diesmal nicht besetzt sei. So war es möglich, daß sie unbemerkt an den Hütten vorbeischleichen konnten, doch schlug der Hauptmann nicht den gewöhnlichen Pfad ein, der aus der Schlucht in den Wald hinaufführte, sondern er näherte sich einem Felsen, der ganz senkrecht, und wie es schien, unzugänglich vor ihnen lag. Als sie dort angekommen waren, machte der Hauptmann auf eine Strickleiter aufmerksam, die an dem Felsen herabgespannt war. Er warf seine Büchse auf den Rücken und stieg zuerst hinan, dann rief er der Gräfin zu, ihm zu folgen, und bot ihr die Hand zur Hülfe, der Jäger stieg zuletzt herauf. Hinter diesem Felsen zeigte sich ein Fußpfad, den sie einschlugen und rasch vorwärts gingen.
»Dieser Fußpfad«, sprach der Hauptmann, »führt nach der Aschaffenburger Straße. Dorthin wollen wir uns begeben, denn ich habe genau erfahren, daß Ihr Gemahl, der Graf, sich gegenwärtig dort aufhält.«
Schweigend zogen sie weiter; der Räuber immer voran, die drei andern dicht hinter ihm. Nach drei Stunden hielten sie an; der Hauptmann lud Felix ein, sich auf einen Baumstamm zu setzen, um auszuruhen. Er zog Brot, eine Feldflasche mit altem [324] Wein hervor, und bot es den Ermüdeten an. »Ich glaube, wir werden, ehe eine Stunde vergeht, auf den Kordon stoßen, den das Militär durch den Wald gezogen hat. In diesem Fall bitte ich Sie mit dem Anführer der Soldaten zu sprechen, und gute Behandlung für mich zu verlangen.«
Felix sagte auch dies zu, obwohl er sich von seiner Fürsprache geringen Erfolg versprach. Sie ruhten noch eine halbe Stunde, und brachen dann auf. Sie mochten etwa wieder eine Stunde gegangen sein und näherten sich schon der Landstraße, der Tag fing an heraufzukommen und die Dämmerung verbreitete sich schon im Wald, als ihre Schritte plötzlich durch ein lautes »Halt! Steht!« gefesselt wurden. Sie hielten, und fünf Soldaten rückten gegen sie vor, und bedeuteten ihnen, sie müßten folgen und vor dem kommandierenden Major sich über ihre Reise ausweisen. Als sie noch etwa fünfzig Schritte gegangen waren, sahen sie links und rechts im Gebüsch Gewehre blitzen, eine große Schar schien den Wald besetzt zu haben. Der Major saß mit mehreren Offizieren und andern Männern unter einer Eiche. Als die Gefangenen vor ihn gebracht wurden, und er eben anfangen wollte, sie zu examinieren über das »Woher« und »Wohin«, sprang einer der Männer auf und rief: »Mein Gott, was sehe ich, das ist ja Gottfried, unser Jäger!« »Jawohl, Herr Amtmann!« antwortete der Jäger mit freudiger Stimme, »da bin ich, und wunderbar gerettet aus der Hand des schlechten Gesindels«
Die Offiziere erstaunten, ihn hier zu sehen; der Jäger aber bat den Major und den Amtmann, mit ihm auf die Seite zu treten, und erzählte in kurzen Worten, wie sie errettet worden, und wer der dritte sei, welcher ihn und den jungen Goldschmidt begleitete.
Erfreut über diese Nachricht traf der Major sogleich seine Maßregeln, den wichtigen Gefangenen weitertransportieren zu lassen, den jungen Goldschmidt aber führte er zu seinen Kameraden, stellte ihn als den heldenmütigen Jüngling vor, der die Gräfin durch seinen Mut und seine Geistesgegenwart gerettet habe, und alle schüttelten Felix freudig die Hand, lobten ihn und konnten nicht satt werden, sich von ihm und dem Jäger ihre Schicksale erzählen zu lassen.

Indessen war es völlig Tag geworden. Der Major beschloß, die Befreiten selbst bis in die Stadt zu begleiten; er ging mit ihnen und dem Amtmann der Gräfin in das nächste Dorf, wo sein Wagen stand, und dort mußte sich Felix zu ihm in den Wagen [325] setzen, der Jäger, der Student, der Amtmann und viele andere Leute ritten vor und hinter ihnen, und so zogen sie im Triumph der Stadt zu. Wie ein Lauffeuer hatte sich das Gerücht von dem Überfall in der Waldschenke, von der Aufopferung des jungen Goldarbeiters in der Gegend verbreitet, und ebenso reißend ging jetzt die Sage von seiner Befreiung von Mund zu Mund. Es war daher nicht zu verwundern, daß in der Stadt, wohin sie zogen, die Straßen gedrängt voll Menschen standen, die den jungen Helden sehen wollten. Alles drängte sich zu, als der Wagen langsam hereinfuhr: »Das ist er«, riefen sie, »seht ihr ihn dort im Wagen neben dem Offizier; es lebe der brave Goldschmidtsjunge!« und ein tausendstimmiges »Hoch!« füllte die Lüfte.
Felix war beschämt, gerührt von der rauschenden Freude der Menge. Aber noch ein rührenderer Anblick stand ihm auf dem Rathause der Stadt bevor. Ein Mann von mittleren Jahren, in reichen Kleidern, empfing ihn an der Treppe und umarmte ihn mit Tränen in den Augen. »Wie kann ich dir vergelten, mein Sohn«, rief er; »du hast mir viel gegeben, als ich nahe daran war, unendlich viel zu verlieren! du hast mir die Gattin, meinen Kindern die Mutter gerettet, denn ihr zartes Leben hätte die Schrecken einer solchen Gefangenschaft nicht ertragen.« Es war der Gemahl der Gräfin, der diese Worte sprach. Sosehr sich Felix sträuben mochte, einen Lohn für seine Aufopferung zu bestimmen, so unerbittlich schien der Graf darauf bestehen zu wollen. Da fiel dem Jüngling das unglückliche Schicksal des Räuberhauptmanns ein; er erzählte wie er ihn gerettet, wie diese Rettung eigentlich der Gräfin gegolten habe. Der Graf, gerührt nicht sowohl von der Handlung des Hauptmanns, als von dem neuen Beweis einer edlen Uneigennützigkeit, den Felix durch die Wahl seiner Bitte ablegte, versprach das Seinige zu tun, um den Räuber zu retten.
Noch an demselben Tag aber führte der Graf, begleitet von dem wackern Jäger, den jungen Goldschmidt nach seinem Schlosse, wo die Gräfin, noch immer besorgt um das Schicksal des jungen Mannes, der sich für sie geopfert, sehnsuchtsvoll auf Nachrichten wartete. Wer beschreibt ihre Freude, als ihr Gemahl den Retter an der Hand, in ihr Zimmer trat. Sie fand kein Ende, ihn zu befragen, ihm zu danken; sie ließ ihre Kinder herbeibringen und zeigte ihnen den hochherzigen Jüngling, dem ihre Mutter so unendlich viel verdanke, und die Kleinen faßten seine  Hände, und der zarte Sinn ihres kindlichen Dankes, ihre Versicherungen, daß er ihnen nach Vater und Mutter auf der ganzen Erde der Liebste sei, waren ihm die schönste Entschädigung für manchen Kummer, für die schlaflosen Nächte in der Hütte der Räuber.
Als die ersten Momente dieses frohen Wiedersehens vorüber waren, winkte die Gräfin einem Diener, welcher bald darauf jene Kleider und das wohlbekannte Ränzchen herbeibrachte, welche Felix der Gräfin in der Waldschenke überlassen hatte. »Hier ist alles«, sprach sie mit gütigem Lächeln, »was Ihr mir in jenen furchtbaren Augenblicken gegeben; es ist der Zauber, womit Ihr mich umhüllt habt, um meine Verfolger mit Blindheit zu schlagen. Es steht Euch wieder zu Diensten, doch will ich Euch den Vorschlag machen, diese Kleider, die ich zum Andenken an Euch aufbewahren möchte, mir zu überlassen, und zum Tausch dafür die Summe anzunehmen, welche die Räuber zum Lösegeld für mich bestimmten.«
Felix erschrak über die Größe dieses Geschenkes; sein edler Sinn sträubte sich, einen Lohn für das anzunehmen, was er aus freiem Willen getan. »Gnädige Gräfin!« sprach er bewegt, »ich kann dies nicht annehmen. Die Kleider sollen Euer sein, wie Ihr es befehlet; jedoch die Summe, von der Ihr sprechet, kann ich nicht annehmen. Doch, weil ich weiß, daß Ihr mich durch irgend etwas belohnen wollet, so erhaltet mir Eure Gnade, statt anderen Lohnes, und sollte ich in den Fall kommen, Eurer Hülfe zu bedürfen, so dürft Ihr darauf rechnen, daß ich Euch darum bitten werde.« Noch lange drang man in den jungen Mann, aber nichts konnte seinen Sinn ändern. Die Gräfin und ihr Gemahl gaben endlich nach, und schon wollte der Diener die Kleider und das Ränzchen wieder wegtragen, als Felix sich an das Geschmeide erinnerte, das er im Gefühl so vieler freudigen Szenen ganz vergessen hatte.
»Halt!« rief er; »nur etwas müßt Ihr mir noch aus meinem Ränzchen zu nehmen erlauben, gnädige Frau, das übrige ist dann ganz und völlig Euer.«
»Schaltet nach Belieben«, sprach sie; »obgleich ich gerne alles zu Eurem Gedächtnis behalten hätte, so nehmet nur, was Ihr etwa davon nicht entbehren wollet. Doch, wenn man fragen darf, was liegt Euch denn so sehr am Herzen, daß Ihr es mir nicht überlassen möget?«
Der Jüngling hatte während dieser Worte sein Ränzchen geöffnet [327] und ein Kästchen von rotem Saffian herausgenommen. »Was mein ist, könnet Ihr alles haben«, erwiderte er lächelnd, »doch dies gehört meiner lieben Frau Pate; ich habe es selbst gefertigt, und muß es ihr bringen. Es ist ein Schmuck, gnädige Frau«, fuhr er fort, indem er das Kästchen öffnete und ihr hinbot; »ein Schmuck, an welchem ich mich selbst versucht habe.«

Sie nahm das Kästchen; aber nachdem sie kaum einen Blick darauf geworfen, fuhr sie betroffen zurück.
»Wie! diese Steine!« rief sie; »und für Eure Pate sind sie bestimmt, sagtet Ihr?«
»Jawohl«, antwortete Felix, »meine Frau Pate hat mir die Steine geschickt, ich habe sie gefaßt, und bin auf dem Wege, sie selbst zu überbringen.«
Gerührt sah ihn die Gräfin an; Tränen drangen aus ihren Augen: »So bist du Felix Perner aus Nürnberg?« rief sie.
»Jawohl! aber woher wißt Ihr so schnell meinen Namen?« fragte der Jüngling, und sah sie bestürzt an.
»O wundervolle Fügung des Himmels!« sprach sie gerührt zu ihrem staunenden Gemahl, »das ist ja Felix, unser Patchen, der Sohn unserer Kammerfrau Sabine! Felix! ich bin es ja, zu der du kommen wolltest; so hast du deine Pate gerettet, ohne es zu wissen.«
»Wie? seid denn Ihr die Gräfin Sandau, die so viel an mir und meiner Mutter getan? und dies ist das Schloß Mayenburg, wohin ich wandern wollte? Wie danke ich dem gütigen Geschick, das mich so wunderbar mit Euch zusammentreffen ließ; so hab ich Euch doch durch die Tat, wenn auch in geringem Maß, meine große Dankbarkeit bezeugen können!«
»Du hast mehr an mir getan«, erwiderte sie, »als ich je an dir hätte tun können; doch solange ich lebe, will ich dir zu zeigen suchen, wie unendlich viel wir alle dir schuldig sind. Mein Gatte soll dein Vater, meine Kinder deine Geschwister, ich selbst will deine treue Mutter sein, und dieser Schmuck, der dich zu mir führte in der Stunde der höchsten Not, soll meine beste Zierde werden, denn er wird mich immer an dich und deinen Edelmut erinnern.«
So sprach die Gräfin und hielt Wort. Sie unterstützte den glücklichen Felix auf seinen Wanderungen reichlich. Als er zurückkam, als ein geschickter Arbeiter in seiner Kunst, kaufte sie ihm in Nürnberg ein Haus, richtete es vollständig ein, und ein nicht geringer Schmuck in seinem besten Zimmer waren schön gemalte Bilder, welche die Szenen in der Waldschenke und Felix' Leben unter den Räubern vorstellten.

Dort lebte Felix als ein geschickter Goldarbeiter, der Ruhm seiner Kunst verband sich mit der wunderbaren Sage von seinem Heldenmut, und verschaffte ihm Kunden im ganzen Reiche. Viele Fremde, wenn sie durch die schöne Stadt Nürnberg kamen, ließen sich in die Werkstatt des berühmten Meister Felix führen, um ihn zu sehen, zu bewundern, wohl auch ein schönes Geschmeide bei ihm zu bestellen. Die angenehmsten Besuche waren ihm aber der Jäger, der Zirkelschmidt, der Student und der Fuhrmann. Sooft der letztere von Würzburg nach Fürth fuhr, sprach er bei Felix ein; der Jäger brachte ihm beinahe alle Jahre Geschenke von der Gräfin, der Zirkelschmidt aber ließ sich, nachdem er in allen Ländern umhergewandert war, bei Meister Felix nieder. Eines Tages besuchte sie auch der Student. Er war indessen ein bedeutender Mann im Staat geworden, schämte sich aber nicht, bei Meister Felix und dem Zirkelschmidt ein Abendessen zu verzehren. Sie erinnerten sich an alle Szenen der Waldschenke und der ehemalige Student erzählte, er habe den Räuberhauptmann in Italien wiedergesehen; er habe sich gänzlich gebessert, und diene als braver Soldat dem König von Neapel.
Felix freute sich, als er dies hörte. Ohne diesen Mann wäre er zwar vielleicht nicht in jene gefährliche Lage gekommen, aber ohne ihn hätte er sich auch nicht aus Räuberhand befreien können. Und so geschah es, daß der wackre Meister Goldschmidt nur friedliche und freundliche Erinnerungen hatte, wenn er zurückdachte an das Wirtshaus im Spessart.
(Quelle: Wilhelm Hauff: Sämtliche Werke in drei Bänden. Band 2, München 1970, S. 215-239. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20005004578)


Reitet im Kinzigtal.
Box-Farce in Offenburg
4000 Leute lassen sich in der Provinz in Offenburg von zwei mittelmäßigen bis unterklassigen Boxern eine Kampffarce andrehen,  bis sich einer in der fünften Runde hinsetzt und auszählen läßt. Das Erstaunliche an diesem Bubenstück ist, daß ein gebührenbezahlter TV-Staatssender eine solche Volksverdummung auf schrille Weise antreibt, um die privaten TV-Unterklassenschaus noch zu übertrumpfen. Mit
Journalismus hat so etwas längst nichts mehr zu tun. Kein Wunder, daß da immer noch ein paar Journalistendarsteller ihr Brot verdienen dürfen. Irgendwie ging es um einen Europatitel, indem man einen unbekannten Argentinier gegen einen zum alten Eisen gehörenden Armenier antreten ließ. Was mit dem Boxen wirklich los ist, zeigt ja auch das Chaos von vier Verbänden mit 68 Weltmeistern in 17 Gewichtsklassen.
Im Zweifel besser rechts fahren
Selbstversuch auf der A 5: Nur wenige Fahrer halten sich an das Überholverbot, einige drängeln
Einen Monat nach der Einführung berichten viele Autofahrer, dass die Empfehlung zum »Versetzten Fahren« sowie das Überholverbot auf der A 5 zwischen Offenburg und Appenweier nicht eingehalten werden. Die Mittelbadische Presse ist die Strecke deshalb in einem Selbstversuch abgefahren.
(Offenburger Tageblatt. Und jetzt als Nachtisch Knollenblätterpilz im Selbstversuch! Die ganze Mittelbadische Presse auf der A 5? Vorher noch nie hingeschaut, noch nie was gesehen, um die Wahrheit der Binse herauszufinden? Frau kann gar nicht links. Besser fahren!)
Gengenbacher Polstermöbelwerk Hukla verliert Markennamen
(BADEN online. Schon lange tot.)
Planungen für neuen Reiff Medien Dome in Offenburg laufen auf Hochtouren
Gestern wurden die beiden Kuppeln in der Marlener Straße abgebaut. Drei neue Standorte in Zentrumsnähe sind derzeit im Gespräch, die Verhandlungen laufen. Für die Veranstaltungen im Reiff Medien Dome soll künftig mehr Platz zur Verfügung stehen und auch das Design wird sich ändern.
(BADEN online. Reiff war mal was.)
Erfolgreiche Generalprobe für SC Freiburg
Eine Woche vor dem Rückrundenbeginn der Fußball-Bundesliga hat der Sportclub den FC Winterthur mit 2:1 besiegt. Für den SC Freiburg war es der dritte Sieg im dritten Testspiel. Die Treffer erzielten Daniel Caligiuri (60. Minute) und Immanuel Höhn per Kopfball (86.). Der Ex-Freiburger Daniel Sereinig hatte für Winterthur zwischenzeitlich ausgeglichen (82.).
(BADEN online. Na, wenn das nichts ist! Der SC probt für die Unterklasse. Denn es wurde vergessen zu erwähnen, daß Winterthur Zehnter der zweiten Schweizer Liga ist.)
Obertorstraße: Sieben Stufen gegen den Ärger
Ein Handlauf soll angebracht werden / Kleinthomä: »Komfortable Lösung«
Die »Sprungschanze« auf Höhe des »Löwen«-Parkhauses in der Obertorstraße ist Vergangenheit. Sieben Schleppstufen machen das Steilstück jetzt bezwingbar. Auch ein Handlauf soll noch angebracht werden. Lahrs Tiefbau-Chef Michael Kleinthomä spricht von einer »komfortablen Lösung«.
(Lahrer Anzeiger. Pfusch hat einen Namen: Lahr.)
»Flughafenkauf dient den Lahrer Interessen«
Peter Weiß äußert sich zu den Themen Flugplatz, Rheintalbahn-Ausbau und deutsch-französische Freundschaft
Aus Sicht des Lahrer Bundestagsabgeordneten Peter Weiß (CDU) ist es »richtig«, dass die Stadt Lahr das Flughafengelände vor der Haustür von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) kaufen will.
(Lahrer Anzeiger. Peter Weiß wer?)
»Vergangenheit mit Zukunft«
Schule als Staat: Max-Planck-Gymnasium zieht fürs Projekt Planckini Bottom ein positives Fazit
Vier volle Schultage mit je acht Stunden lebten im vergangenen Oktober sämtliche Schüler und Lehrer des Max-Planck-Gymnasiums (MPG) im fiktiven Staat Planckini Bottom – mit Parlament, Gericht, Polizei und Betrieben. Fast alle möchten das Großprojekt wiederholen.
(Lahrer Anzeiger. Früher ist an dieser Schule was gelernt worden.)
»Würde gerne Offotag feiern«
Steffen Jelic, Friesenheims neuer katholischer Pfarrer, hat sich mittlerweile in der Gemeinde eingelebt
Knapp vier Monate hat die katholische Seelsorgeeinheit Friesenheim einen neuen Pfarrer – und Steffen Jelic ist mittlerweile in seiner Gemeinde angekommen. Wie es um die Baustellen der Kirchengemeinde bestellt ist und was er noch vorhat, das verrät er im Gespräch mit dem Lahrer Anzeiger...Herr Jelic, am 12. September war Ihr erster Arbeitstag in der neuen Seelsorgeeinheit. Wie haben Sie ihn verbracht?
(Lahrer Anzeiger. Und sonst? Schade ums Papier.)

So sieht ein römisches Ensemble aus: Villa Borg im Saarland. Auch bei Hechingen gibt es ein Areal mit imposanten Nachbauten. Dagegen wirkt  das in Lahr geplante Römerhaus für Arme (Streifenhaus, unten, zu sehen gewesen m Rahmen einer Römerausstellung im Stadtpark) ) nicht besonders attraktiv, eher wie ein Schafstall auf der Alb.

Ein Römerhaus zur Gartenschau
Der Lahrer Gemeinderat hat ein Herz für die alten Römer. Verteilt auf die Jahre 2012 bis 2014 genehmigte er in drei Raten 165 000 Euro für eine wissenschaftliche Auswertung der jüngsten Grabungskampagne im Mauerfeld in Dinglingen. Das große Ziel dabei: Bei der Landesgartenschau 2018 soll es ein Römerhaus, auch Streifenhaus genannt, geben.
(Badische Zeitung. Schlupft der Thorsten Mietzner in seine Aschekisten? Der echte Römer hat zwar nicht in einer Dinglinger Scheune gelebt, aber dasLand ist schon sol voll mit Ruinen und Villen, daß es eine gute Idee ist, nichts zu haben, dies aber vorzuzeigen.)
Eignet sich der ehemalige "Weinschatzkeller" besser?
CDU-Fraktion bringt neuen Standort fürs Ärztehaus ins Gespräch
(Badische Zeitung. Seit wann ist die Stadt zuständig für Geschäftsgebäude, zumal für die heruntergekommene Immobilie eines früheren Geschäfts in derMax-Planck-Straße?)
Fasziniert von der Philatelie
(Badische Zeitung. Damit wird man 80.)
Gute Bilanz für das Tourismusjahr 2011 in Lahr
Die positiven Übernachtungszahlen in Lahr von 2010 stabilisierten sich im zurückliegenden Jahr. Wie aus den aktuellen Zahlen (Januar bis November 2011) des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg hervorgeht, verzeichneten die gewerblichen Hotelbetriebe und Pensionen in Lahr einen Zuwachs der Übernachtungen von 5,2 Prozent im ersten Halbjahr.
(Stadt Lahr. Eine Lahrer Erfolgsgeschichte: Plus im ersten Halbjahr, in gleicher Höhe Minus im zweiten mit Chrysanthema, also eine rote Null. 75 000 Übernachtungen, das Dorf Seelbach in der Nähe hat nur 118 000 mit abnehmender Tendenz. Was machen Journalistendarsteller daraus? Siehe unten. Wohlweislich hält die Stadt die Zahlen im Internet unter Verschluß - die Info ist defekt.)
Gute Bilanz für das Tourismusjahr 2011 in Lahr
Hotels und Pensionen konnten bei den Übernachtungszahlen in etwa das Niveau des Vorjahres halten. Im ersten Halbjahr 2011 gab es sogar einen Zuwachs von 5,2 Prozent, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. Etwa 75.000 Gäste buchten in Lahr zwischen Januar und November ein. Die meisten Hotelgäste gab es während der Zeit der Chrysanthema. Die Stadt gibt sich zuversichtlich, dass sich der Tourismus auch im neuen Jahr stabil weiter entwickeln wird.
(BADEN online. Ohne Kommentar.)
Gute Wichte, Böse Wichte
Chris Silberer liest in der Stadtbücherei aus ihrem neuen Krimi.
(Badische Zeitung. Liegt Lahr bei Frankfurt? Was soll diese dauernde Reklame?)
"Auflagen wie noch nie"
BZ-Interview: Ankele-Oberzunftmeisterin Tamara Billharz über den Aufwand zum Narrenfest
Am diesem Wochenende feiern die Ankele-Hexen ihr 22-jähriges Bestehen im großen Stil.
(Badische Zeitung. Vereinsmeierei statt Brauchtum.)
"Ganz so still war Weihnachten gar nicht"
BZ-Fragebogen mit Pfarrer Steffen Jelic, der in der Zwischenzeit bereits sein erstes Weihnachtsfest in Friesenheim gefeiert hat
(Badische Zeitung. Randgruppenzeitung.)
"Ich war voll erstaunt"
...als Sternsingerin bei Bundeskanzlerin Angela Merkel
(Badische Zeitung. Kinderzeitung.)
Seniorenrat sucht ein Leitbild für Lebensqualität
Das Gremium gründet einen Arbeitskreis, der Bedürfnisse der 60 plus-Generation ermittelt und in einem Leitfaden darstellt
(Badische Zeitung. Zu spät. Babyoldies?)
Stadt sucht Standort für Eisstadion
Ergebnisse des Suchlaufs sollen bis Mitte des Jahres vorliegen / Bisherige Eishalle könnte Platz für Wohnbebauung machen
(Badische Zeitung. Wozu? Sollen in Freiburg erst einmal Fußball lernen.)
Zu wenig Windräder
Als "absolut unbefriedigend" hat Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) den Zubau von nur sechs Windkraftanlagen mit insgesamt 13 Megawatt Gesamtleistung im Land im Jahr 2011 kritisiert. 2010 waren noch acht neue Windräder hinzugekommen. Um die ehrgeizigen energiepolitischen Ziele zu erreichen, müssten bis 2020 jährlich 100 Windräder mit einer Gesamtleistung von 300 Megawatt aufgestellt werden.
(Badische Zeitung. Franz Quichotte.)
Schuh trifft Kretschmann-Bodyguard im Gesicht
Die Wutbürger schlagen zu: Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 haben den Grünen Ministerpräsidenten Kretschmann mit Schuhen beworfen. Getroffen wurde ein anderer.
(WELT online. Saat der Gewalt?)
Neues Gutachten zu Wulff-Kredit
"Grenze der Strafbarkeit eindeutig überschritten"
Ein neues Gutachten des renommierten Staatsrechtlers von Arnim, das von Experten zusätzlich geprüft wurde, kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Christian Wulff hätte den umstrittenen Hausbau-Kredit nicht annehmen dürfen - und hat sich damit strafbar gemacht.
(SPIEGEL online. Riegel ans Schloß.)
S&P stellt Europas Elite die Bankrotterklärung aus
Die kollektive Herabstufung durch S&P könnte der Beginn vom Ende der Euro-Zone sein. Zu stark hat sich die Union auseinanderentwickelt.
Die umfassende Abstufung der Euro-Zone durch Standard&Poor’s (S&P) lässt sich durchaus als historisch bezeichnen. Gleich neun der 17 Euro-Staaten wurden von der führenden Ratingagentur zurechtgestutzt. Mit Frankreich hat die zweitgrößte Ökonomie der Währungsunion das Spitzenrating AAA verloren, eine nationale Schmach.
(WELT online. Deutschland zahlt und zahlt und zahlt.)
 


Bürger fordern Debatte zum Flächenfraß
Balgheimer sind besorgt über weiteres Baugebiet – Speckgürtel gegen Ortsmitte?
Soll eine Gemeinde weitere Neubaugebiete erschließen? Oder braucht sie neue Ideen, wie innerörtliches Potenzial, zum Beispiel in Form von leer stehenden Häusern, nutzbar sein könnte? Ein augenfälliges Beispiel für die Entwicklung in die Fläche ist Balgheim. Viele Spaichinger sind in den vergangenen Jahren in ein noch vom früheren Bürgermeister und Gemeinderat in die Wege geleitetes Wohngebiet nach Balgheim gezogen, denn die Bauplätze am Ortsrand sind sozusagen in Steinwurfweite von Spaichingen gelegen. Dass nun ein weiteres kleines Baugebiet mit zehn Bauplätzen erschlossen werden soll, hat einige Bürger auf den Plan gerufen. Sie wollen eine grundsätzliche, offene, rege Diskussion darüber, wie sich Balgheim in Zukunft ausrichten soll.
(Schwäbische Zeitung. Zusammenarbeit der Gemeinden fehlt.  Balgheim mauert gegenüber Spaichingen. Da die Bevölkerung allgemein abnimmt, sind neue Baugebiete Unsinn.)
Ansichtssache
Gemeinwohl geht alle an
(Schwäbische Zeitung. Meint Binse Braungart zu meinen.)
Hansy Vogt steht in den Startlöchern
(Schwäbische Zeitung. Wie heißt das Loch, wo er volkstümmelt?)
Umfrage
„Gesundheit ist das höchste Gut“
Rund 140 Gäste genießen beim ersten Seniorennachmittag im Edith-Stein-Haus den musikalischen Rahmen
(Schwäbische Zeitung. Zwangsgeschwätz auf Altpapier.)
Kindergarten soll entwickelt werden
(Schwäbische Zeitung. Zur Uni?)
Führung führt durch römisches Rottweil
(Schwäbische Zeitung. Pm-plemplem als Zeitreise.)
Frau will Weinbrand mitgehen lassen
(Schwäbische Zeitung. Wie heißt der mit Vornamen?)
Weben wie die Alamannen
(Schwäbische Zeitung. Pm-plemplem zu Johann Peter Hebel, Erfinder des Alemannen Kanitverstan.)
Bei der „Marie-Bas“ hat es gefunkt
Wehinger Suse und Theo Pfenning sind seit 50 Jahren glücklich verheiratet – Morgen wird mit der Familie gefeiert
(Schwäbische Zeitung. Schrott.)
Interview
„Es geht um unsere Vision von Gemeinde“
Pfarrer Thomas Schmollinger erläutert, worum es bei der Pastoralvisitation geht
(Schwäbische Zeitung. Schnell zum Arzt! Redaktion gleich mit, drei Viertel einer Seite mit Nonsens für planwirtschaftliches Geschwätz gefüllt.)
Micky ist keine Maus, sondern ein stolzer Kater
Das achtjährige Tier hat seinen Besitzer verloren und sucht nun ein neues Zuhause
(Schwäbische Zeitung. In Trossingen ist aber was los.)

Sonntagsläuten
Auf der Suche
(Schwäbische Zeitung. Mit der Stangeim Nebel und In 2000 Jahren nichts gefunden.)
„Der Euro ist unser größtes Glück“
Staatssekretär Ernst Burgbacher blickt beim Tuttlinger Neujahrsempfang auf die wirtschaftliche Entwicklung
(Schwäbische Zeitung. Burgbacher auch?)
Bläserjugend aus dem Kreis ist für 2012 gut aufgestellt
(Schwäbische Zeitung. Bis auf den letzten Platz pur vom Feinsten.)