Springe zum Inhalt

Störtebeker bei Fridays for Future

Warum Habeck nicht besser als ein Seeräuber ist

Von Gastautor Frank Hannig

Wenn die „Alten weißen Männer“ abends mit ihren Zigarren und Drinks auf den Terrassen ihrer teuren Hotels oder in ihren dieselbetriebenen Caravans oder in ihren Ferienhäusern am Meer sitzen und dem Rauschen der Brandung lauschen, müssten sie doch in ihrem schlechten Gewissen ersticken. Sie tun es aber nicht. Und die Kids auf den fff- Demos denken natürlich nicht mal darüber nach, wieso nicht. Können sie auch nicht- sie sind zu jung. Die Habecks und Claudia Roths, Seehofer, Macrons und Angela Merkels dieser Welt allerdings- die haben sehr wohl schon auf solchen Terrassen oder Balkons gesessen und dem Rauschen der Brandung gelauscht. Sie kennen das Gefühl und sie verstehen tief im Grunde ihres Herzens zumindest emotional- auch wenn sie es rational gar nicht verstehen wollen-, warum sich das schlechte Gewissen bei den meisten nicht einstellen will: Es ist historisch falsch.

Das Rauschen der Brandung, der Pulsschlag des Meeres, die Wellen, die an den Strand branden, wecken Gefühle in uns, Sehnsüchte, romantisches Fernweh und nostalgische Sehnsucht nach Frieden und Glück.

Die „Alten Weißen Männer“, die zu einem Synonym geworden sind für all das Verachtenswerte, Kapitalistische, Gierige, Rücksichtslose in einer ökologischen Eia- Popeia- Welt der romantischen Verklärtheit, der Sehnsucht nach Gleichheit, nach Brüderlichkeit, nach kollektiver Simplizität jedoch, haben allerdings oft Eines, was sie abhebt vom Mainstream, vom kollektiven Wahn: Bildung.

Und so sitzt man am Strand und lauscht dem Rauschen der Brandung und mag nachdenken darüber, ob es nicht besser wäre, wenn alle gleich wären, wenn jedes Statussymbol abgeschafft wäre, jeder SUV verboten, jede Segelyacht verschrottet (es sei denn, sie wäre aus Papyrus gebaut) und die klimahysterische Gleichmacherei eine einheitliche ökologische und faire Welt erschaffen hätte.

Aber mit der Bildung und dem Intellekt, der erfolgreichen Unternehmern und gestandenen Erwachsenen in einer wettbewerbsbasierten Welt oft eigen ist, ganz im Gegensatz zu einer Kaste verwöhnter, Pseudo-Intellektueller, niemals an einer beruflichen Herausforderung oder an der Wertschöpfung beteiligter Berufspolitiker- erkennt man vielleicht Parallelen zu vergangenen Zeiten (laut Marx und Engels läuft die soziale Entwicklung ja ohnehin spiralförmig ab- das immer gleiche Problem auf einem jeweils höheren Niveau):

Als der Kopf des berühmten Seeräubers Störtebeeker durch das Beil des Henkers seinerzeit auf den Marktplatz der Freien und Hansestadt Hamburg fiel, jubelten die Menschen und der Ostseeraum war von einer Geißel befreit, die jahrelang den Wohlstand und den Frieden des Baltikums bedroht hatte. Der Seeräuber kaperte Handelsschiffe, überfiel Küstendörfer, verdingte sich für Gold jeweils wechselnden Herren in den Kriegen seiner Zeit und war für seine Zeitgenossen eine Last und eine Plage. Ganz zu schweigen davon, dass er nach dem damals geltenden Recht ein Verbrecher war, ein Krimineller, dem die Justiz zu Recht jahrelang nachstellte um unter generalpräventiven Gesichtspunkten ein Exempel zu statuieren und unter spezialpräventiven Gesichtspunkten endlich Rechtsfrieden herzustellen und die Bevölkerung vor weiteren Straftaten zu schützen.

Kein Mensch würde sich an ihn beim romantischen Rauschen der Brandung oder bei Festspielen oder Theater- Aufführungen erinnern, wenn Störtebeeker- der Pirat, Mörder, Vergewaltiger und Plünderer- nicht noch etwas anderes gewesen wäre: Ein „Gutmensch“. Er wurde bereits zu Lebzeiten von einigen Intellektuellen seiner Zeit als Heilsbringer und Visionär gefeiert, weil er ein sogenannter „Gleichteiler“ war. Er war ein „Likedeeler“, wie es im Norden hieß, also einer, der seine Plünderei damit rechtfertigte, dass er all seine Schandtaten nicht nur für sich selbst, sondern für sein Team beging. Die Beute wurde unter seinen Mannschaften aufgeteilt. Jeder- egal ob Offizier oder Schiffsjunge bekam den gleichen Anteil. Die Gleichteiler erfuhren im Laufe der Jahrhunderte eine immer größere Beachtung, könnte man sie doch als Vorläufer einer gesellschaftlichen Vision von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit betrachten. Freilich nur, bis Rosa Luxemburg ihren berühmten Ausspruch tat, dass Freiheit immer auch die Freiheit der anderen ist.

Und genau da, liegt „der Hase im Pfeffer“: Sozialromantik verklärt den Piraten zum Helden, weil sie vergisst, dass die Gleichteilerei des Störtebeeker unter seinen Kumpanen teuer erkauft war mit dem Leid derer, die er überfallen hatte, die er ermordet, beraubt und geschändet hatte- wegen seiner Idee, seinen wenigen Getreuen im Angesicht einer vermeintlichen unfairen und ungleichen Welt etwas mehr Fairness zu bieten.

Die Piratenflagge unserer Zeit ist deutlich größer als die des Ostseepiraten, sie weht nicht nur über einigen Hanse- Koggen und Schnellseglern des Baltikums, sie weht über Teilen unserer Gesellschaft. Unter der Flagge der „Gleichteiler“ segelt es sich einfach, weil alle, die mitsegeln, gleichermaßen am Wohlstand und am Erfolg der Plünderei beteiligt werden. Ob CO2- Steuer, Vermögenssteuer, GEZ- Abgabe, Seenotrettung oder Dieselfahrverbot- es tut gut auf dem Schiff des Störtebeeker zu sitzen und sich gegenseitig zu versichern, dass man nur Gutes tue, wenn man andere ausplündert, weil man ja untereinander teilt und „gleich“ ist.

Was die „Plünderer“ unserer Tage, von Habeck, Greta und ihren Jüngern, den Friday for Future- Kids und Nahles bis hin zu Merkel und längst auch Seehofer, Macron und Kretschmar in Sachsen leider nicht mehr merken: das Verteilen des Geraubten mag den Räubern ein gutes Gefühl bescheren- es schafft aber keinerlei Werte. Wenn man den vermeintlich bösen, den unfairen, den Klimasündern und Kapitalisten, den Ausbeutern, SUV- Fahrern und Plastiktüten- Käufern alles abnimmt und verbietet hat man die Welt längst nicht gerettet. Man hat nur geplündert, was bereits da war. Hätte Störtebeeker sich nicht erwischen lassen, hätte er das ganze Baltikum leer räumen können, alle Hansestädte niederbrennen, alle Häfen schleifen und alle Bauernhöfe der Küste zerstören können- er hätte am Ende nichts erschaffen. Kein Brot, keine Kleider, kein Wohlstand, keine Schulen, keine Gerichte, keine Universitäten. Und besonders: Keine Freiheit. Keine Freiheit zumindest der Andersdenkenden.

Die Geschichte hat den Piraten Störtebeeker, den „Roten Teufel“, wie ihn seine Zeitgenossen nannten, zum Helden stilisiert- weil die Geschichte von Siegern geschrieben aber von Romantikern in Sagen, Romanen und Märchen verklärt wird. Die geschriebene Geschichte berichtet, dass der Pirat mitsamt 72 seiner Getreuen nach einem gerichtlichen Verfahren den Tod durch das Henkersbeil gefunden hat. Die Sagen und Märchen erzählen vom Helden, vom „Gleichteiler“, vom Widerstandskämpfer. Das ist es worauf Habeck, Thunberg und Merkel im Inneren hoffen- auf die Verklärung durch die Geschichte, auf den Ruhm, als Vorkämpfer einer gerechten Sache gefeiert zu werden.

Was die Klugen, Gebildeten und Reflektierten, die „alten weißen Männer“, imAngesicht der tosenden Brandung, der rauschenden Wellen und der betörenden Sonnenuntergänge am Meeresstrand sehen, ist aber nicht der verklärte Mythos des romantischen Piraten, sondern die rücksichtslose Plünderung einer wohlhabenden Gesellschaft durch einige wenige „Gleichteiler“, die sich den Nimbus der moralischen Überlegenheit selbst verliehen haben.

„Möge das Urteil des Richters weise sein und das Beil des Henkers scharf.“ soll der schwedische König gesagt haben, als man ihm von der Festnahme Störtebeekers berichtete. Na, wollen wir für Europas Zukunft mal das gleiche hoffen, wenn wir abends am Strand sitzen und dem Rauschen der Wellen lauschen.
(vera-lengsfeld.de)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.