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Tour de Franz

Hubert Burda hat nicht das erste  Erinnerungstürmle  im Ortenaukreis errichtet - Kippenheim ging  1834  voraus

(gh) - Die Gazetten überschlagen sich  in der Einheitsvorlese in Fessenbacher Weinbergen.  Was hat da der Hubert Burda nun Schönes in den Reben hinter seinem "Schlössle", dem Hausweingut in Fessenbach,  geschaffen bzw. schaffen lassen von einem Architekten aus Mailand, der Mode ist und vor dem Haus schon zu selig Angedenken  eines gestorbenen Sohnes  ein Tempelchen kreiert hat.  Nun aber steht  dem Weinbergle ein "SenaTorre", ein neugotisches Kirchturmspitzle. 14,5 Meter.  Wiederum zu selig Andenken, aber dem großen Franz Burda zuliebe, den auch ohne  das Ding  niemand in Offenburg vergessen kann.  Wer weiß, Zeiten ändern sich.  Wer heute gerühmt wird, kann morgen schon  ein Schandmal sein.  Denkmäler stürzen reihenweise, Namen  gehen in Rauch auf und von Straßenschildern ab.

Serpinenzickzack  zwingt  Wanderer zu Fessenbachs Münstertürmle hoch,  Radler schieben oder  nutzen es als Klettersteig, andere, auf Weinpfaden strampelnd, unterbrechen ihre Tour de Franz an neuem Etappenziel.  Wo einst , so  steht's geschrieben und von der Offenburger  Obrigkeit dem Untertanen besiegelt,  der Senator  das Straßburger Münster sah, wo Rückzugs- und magischer Ort ist, Kultur und Natur und Freiheit und umgekehrt wabern,  da hat nun Offenburg nach dem Burdahochhaus ein zweites Wahrzeichen bekommen. Oder so. "Lieblingsplatz von Senator Franz Burda, um Kraft zu schöpfen, nachzudenken und neue Ideen zu entwickeln". Nun muss es der Hubert (auf)richten.

Wenn sie aber denken, dann haben sie nicht an Kippenheim gedacht.  Ein Türmle  als Erinnerungskultur haben die schon 1834  einem Promi gebaut, so dass das  Erstgeburtsrecht  für diese Idee nicht Hubert Burda  zukommt,  sondern "Fürst und Vaterland".

So steht's auf dem Kippenheimer Türmle an der B3, "Dirnle" geheißen,  welches sich für einen Schneider Johann Georg Stulz, "Modekönig von London"  und Wohltäter der Menschheit  hochreckt.

Zwei Jahre schon nach seinem Tod in Hyères  am warmen Mittelmeer, wo er Wohlstand und den Lebensabend genoss, zuletzt  geadelt mit dem Namen Ausgestorbener ausgerechnet des Fessenbacher Nachbarorts: von Ortenberg.

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