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Ziel der EU: Russland in die Knie zwingen

Top-Ökonom: "Wir wollen nicht weniger als einen Regimewandel"

Von WOLFGANG HÜBNER

Die Transatlantiker leben derzeit im Freudentaumel, denn ihre Weltsicht scheint sich noch einmal durchgesetzt zu haben: Der Westen ist gut, der Osten ist Feind. Es muss also alles unternommen werden, um diesen Feind zu züchtigen und zu besiegen. Da die EU, also die von Deutschland finanzierte Staatenunion, nach der britischen Flucht mehr denn je keine ernsthafte militärische Potenz besitzt, gilt es nach dem bejubelten Machtwechsel in Washington, wieder ganz rasch unter den atomaren Schild der innerlich arg maroden USA zu schlüpfen.

Deshalb ist Bundeskanzlerin Merkel ganz begeistert von den wohlfeilen Phrasen, die der greise Biden als Sprachrohr der aggressivsten Fraktion der Transatlantiker anlässlich der aktuellen Münchner „Sicherheitskonferenz“ im Weißen Haus vom Teleprompter ablas.

Natürlich wurde die Rede verpackt mit allerlei Demokratierhetorik, die allerdings nach den Ereignissen bei der Präsidentenwahl im November noch schaler als bisher schon klingt. Doch wurde auch sehr deutlich, wer die Feinde des Westens sein sollen: Russland und China. Die USA sind längst zu überstrapaziert, um aus der Konfrontation mit beiden Großreichen sowohl im kalten als auch im möglichen heißen Krieg als Sieger oder wenigstens Dominator hervorzugehen. Es bedarf also der Unterstützung der EU, die atomar bewaffneten Briten sitzen traditionell sowieso im angloamerikanischen Boot.

Doch die deutsche EU-Vormacht hat militärisch nur eine weitgehend ruinierte, verteidigungsunfähig gemachte Bundeswehr zu bieten. Das werden sich die neuen Herren in Washington nicht bieten lassen, wie sie schon vor dem Machtwechsel klar gemacht haben. Immerhin kann die Deutsch-EU ihre ökonomische Stärke und ihren Moralimperialismus ins Schlachtfeld der Großmächte führen. China ist einstweilen noch eine zu große Nummer für westliche Herrschaftsträume, zumal das Land für den deutschen Export unverzichtbar ist. Doch Putins Russland mit seinen ungeheuren Bodenschätzen durch einen Regimewechsel wie in der Ukraine zu entwaffnen und unter wirtschaftliche Kontrolle zu bringen, das ist nicht nur ein lohnendes Ziel, sondern scheint auch realistisch erreichbar.

Klartext dazu hat vor einigen Tagen der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, Gabriel Felbermayr, in einem Interview mit dem Deutschlandfunk verbreitet. Der Karriereökonom äußerte Skepsis gegen neue Sanktionen gegen Russland mit dem einleuchtenden Argument: „Deutschland leidet unter den Russland-Sanktionen, die es seit 2014 gibt, mehr als jedes Land der Welt“. Deshalb glaubt er nicht an die Wirksamkeit solcher Maßnahmen. Der Österreicher plädiert vielmehr für eine ganz große internationale Koalition gegen Russland unter Einschluss von China und Indien. Denn es gehe um viel mehr als nur um Nadelstiche gegen Putin: „Die Ziele, die wir gegenüber Russland haben, sind ja sehr große. Wir wollen ja nicht weniger als einen Regimewandel in Russland, das ist sehr schwer zu erreichen mit wirtschaftlichem Druck.“

Da plaudert niemand aus dem Nähkästchen westlicher Strategie, der nur geschwätzig ist. Vielmehr gehört Felbermayr zu jener Machtelite, die unter sich auf Phrasen verzichtet und die Ziele deutlich benennt. Weder Biden noch Merkel würden sich öffentlich jemals so unverblümt äußern wie der einflussreiche Ökonom. Doch im Gegensatz zu ihm betreiben sie verantwortlich diese Politik der Konfrontation, die Deutschland und die Deutschen im kriegerischen Konfliktfall vernichten würde. Denn zumindest darin wären sich die USA und Russland einig: Die erste Schlacht in Westeuropa auszutragen.
(pi-news.net. Seit dem 19. Jahrhundert fürchten die USA als einzige Konkurrenz eine Allianz Russland-Deutschland.)

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